LTE-Ausbau | Telekom – Vodafone – O2/e-plus

Alle deutschen Mobilfunk-Anbieter geben regelmäßig Erfolge beim LTE-Ausbau bekannt. Das Surfen würde immer schneller und die Netzabdeckung stetig verbessert. Jedoch ist Deutschland in den Augen vieler immer noch eine Mobilfunk-Wüste. Wie sieht die Realität aus bzw. liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte?

Mobilfunk LTE-Ausbau

LTE-Ausbau – Netzabdeckung

Für die komfortable Nutzung eines mobilen Geräts spielt nicht nur die Geschwindigkeit eine Rolle. Was nutzt dir 4G/LTE, wenn dieses Netz nur lückenhaft zur Verfügung steht. Vor allem deshalb ist der fortschreitende LTE-Ausbau von besonderer Bedeutung.

Verglichen mit 35 weiteren Ländern Europas stand Deutschland in einer Tabelle von Open Signal 2017 an 32. Stelle. Die Verfügbarkeit liegt mit 65,7 % zwar noch vor der in Ländern wie Armenien (59 %), Irland und Weißrussland (je ca. 57 %), aber weit hinter Norwegen (92,2 %), den Niederlanden (89,6 %) und Ungarn (89,3 %).

Außerdem zeigt eine Momentaufnahme aus dem April 2017, wie groß die Unterschiede auch zwischen den Netzbetreibern Telekom, Vodafone und O2 (+ e-plus) sind (Quelle: LTEMap). Dargestellt ist die Abdeckung aller Netze: 2G = GSM, GPRS, EDGE – 3G = UMTS, HSPA – 4G = LTE (zur Erklärung der Abkürzungen).

Die Anbieter auf einen Blick

Am schnellsten ist der Ausbau des LTE-Netzes bei der Telekom vorangeschritten. Auch das Netz von Vodafone ist sehr engmaschig, wobei das Unternehmen mit bis zu 500 MBit/s inzwischen örtlich das schnellste Netz bereitstellt. Mit bis zu 300 MBit/s ist die Telekom etwas langsamer und O2 bietet theoretisch bis zu 225 MBit/s an.

Da O2 LTE fast nur in den Ballungsgebieten und größeren Städten unterstützt und die Netzabdeckung allgemein wesentlich schlechter ist als die der beiden anderen Betreiber, liegt die maximale Geschwindigkeit praktisch i. d. R. nur bei 50 MBit/s.

Allerdings ist die Empfangsqualität aller Netze in urbanen Gebieten stabiler als im ländlichen Raum, wenn auch der Unterschied bei der Telekom und Vodafone nicht so gravierend ist wie bei O2. Beispielsweise liegt die Download-Geschwindigkeit im Landesdurchschnitt bei Vodafone bei 48, 96 MBit/s, bei O2 jedoch nur bei 18,8 MBit/s. Für die Telekom liegen keine Durchschnittswerte vor.

Beispiel Telefonica (O2 / E-Plus)

Was sagt Telefonica bzw. O2 zu diesen Unterschieden in der Entwicklung der Mobilfunknetze?

Auszug aus einem Interview des Wirtschaftsredakteurs Thomas Heuzeroth mit Thorsten Dirks, Unternehmenschef Telefonica vom 13.11.2015 in
DIE WELT: Warum O2 den einsamen Kampf gegen die Telekom aufgab

Die Welt: „Herr Dirks, Ihr Werbespruch nach der Fusion von Telefónica und E-Plus ist: „Zwei Netze sind besser als eins.“ Das stimmt nicht ganz.“

Thorsten Dirks: „Doch.“

Die Welt: „Die Netze von Telekom und Vodafone sind jedes für sich besser.“

Dirks: „Wir haben bereits jetzt das beste UMTS-Netz. Unsere Kunden profitieren vom National Roaming, mit dem wir die UMTS-Netze von O2 und E-Plus für alle Kunden geöffnet haben. Und wir wollen auch insgesamt das beste Netz in Deutschland schaffen, vor allem in städtischen Gebieten. Dabei steht für uns immer die Kundensicht im Fokus.“

Im April 2016 hieß es:

Gleichzeitig treibt das Unternehmen den LTE-Ausbau im Hinblick sowohl auf Verfügbarkeit als auch Leistungsfähigkeit weiter voran. Ab Sommer 2016 sollen dann die LTE-Netze von Telefonica Deutschland und E-Plus integriert werden.
Das bedeutet, dass E-Plus-Kunden in den Testregionen Zugriff auf das GSM- und LTE-Netz von o2 haben. Bisher war dies nur für das 3G-Netz möglich.

Anders herum ist ein Zugriff allerdings nicht möglich, denn das LTE-Netz von E-Plus bleibt für o2-Nutzer gesperrt. Mehr noch, das 4G-Netz von E-Plus wird in den Testregionen aktuell nach und nach komplett abgeschaltet. Ziel ist es eventuell, dass nach der Zusammenführung alle Kunden nur noch LTE über o2 nutzen. In Teilen von Köln scheint es bereits so weit zu sein, dort steht LTE 1800 seit einigen Tagen über E-Plus nicht mehr zur Verfügung, sehr wohl aber LTE 800 von o2.

(Quelle: mobiflip.de)

Hört sich gut an, vor allem da LTE im E-Plus-Netz bisher nur an verschwindend wenigen Orten angeboten wurde. Folglich wäre der LTE-Ausbau erfreulich. Leider bezieht sich die positive Entwicklung tatsächlich wohl ausschließlich auf O2 – bei E-Plus Fehlanzeige …

Geschwindigkeit

Wie ein Blick auf die durchschnittliche Download-Geschwindigkeit in 36 europäischen Ländern von 2017 zeigt, hat Deutschland noch gewaltig aufzuholen. So landete es mit 22,7 MBit/s nur auf Platz 32, knapp vor Georgien und Polen mit 20,7 bzw. 20,17 MBit/s. Noch langsamer bist du nur noch in Russland und Weißrussland, die noch nicht einmal 20 MBit/s schaffen, unterwegs. Am schnellsten surfst du in den Niederlanden (42,1 MBit/s), Norwegen (41,2 MBit/s) und Ungarn (39,2 MBit/s).

Weltweit betrachtet wird das Bild nicht besser. So kommt Deutschland nur etwas über einem Viertel der Geschwindigkeit, die in Süd-Korea erreicht wird. In Australien ist der Download zwar etwas langsamer als in Ungarn, aber immer noch knapp um die Hälfte schneller als in Deutschland. Ein Blick auf das untere Ende zeigt, das wir immerhin fast drei Mal so schnell surfen können wie in Indien. Indien ist neben dem Irak und der Ukraine eines der Länder mit der niedrigsten Verbindungsgeschwindigkeit.

Zukunftsaussichten

Der voranschreitende LTE-Ausbau kann und wird sich wahrscheinlich innerhalb der nächsten Jahre auch auf die 2G- und 3G-Netze auswirken. Denn die Frequenzen dieser Netze werden für die LTE-Services gebraucht. Deshalb werden eines oder beide Netze wohl ab 2020 nach und nach abgeschaltet werden. In den USA, Japan und Korea gibt es bereits kein 2G-Netz mehr und auch das Sterben des 3G-Netzes hat in den USA schon begonnen.

Die 2G- und 3G-Netze werden aber nicht nur für mobile Geräte gebraucht. Auch das Internet der Dinge, Connected Cars, Machine-to-Machine-Kommunikation und so alltägliche Anwendungen wie Aufzugsalarm-Systeme, Meldeeinrichtungen, Anzeigetafeln oder Verkehrsschilder arbeiten in diesen Netzen. Ein Wegfall würde nicht nur eine Menge nicht mehr nutzbarer Systeme zur Folge haben, sondern auch immense Kosten verursachen.

Einfach Aufrüsten? Fehlanzeige, denn in den meisten IoT-Geräten ist die eingebaute Mobilfunk-Technik wie SIM-Karte und Modem fest verlötet und damit nicht einfach austauschbar. Letztlich rollt hier auf die Unternehmen eine Umwälzung zu, die sich mit dem geplanten Aus für ISDN im deutschen Festnetz im Jahr 2018 vergleichen lässt. Nur dass im Mobilfunk die Auswirkungen und Kosten vermutlich um ein mehrfaches höher sind.
Quelle: Computerwoche vom 22.05.2016

Und in Europa / Deutschland?

Hier gibt es noch keine klaren Aussagen. Manche Betreiber werden wohl auf 2G verzichten und 3G vorerst behalten bzw. 2G-Stationen durch 3G/4G ersetzen. Andere tendieren dazu, 2G zu behalten und 3G abzuschalten. Auch dazu, wie sich diese Umstellung auf die Netzabdeckung auswirken wird, gibt es noch keine eindeutigen Äußerungen.

Was ist mit 5G?

Telekom und Vodafone haben im Herbst 2017 angefangen, die Giga-Bit-Datenraten zu testen. Hierfür hat die Telekom vier Standorte in Berlin-Schöneberg mit einer Übertragungsrate von bis zu 2 GBit/s und einer Reaktionszeit von 3 Millisekunden in Betrieb genommen. Vodafone testet die neue Geschwindigkeit in Düsseldorf (Firmensitz), Berlin, Hamburg und Hannover. Dabei gibt es bezüglich der zugrundeliegenden Technologie leichte Unterschiede zwischen den beiden Unternehmen.

Weltweit soll 5G 2020 an den Start gehen.

Fazit

Ganz so schlimm, wie oft behauptet, ist es um die deutsche Netz-Landschaft nicht bestellt. Auch wenn Deutschland im Vergleich immer noch vielen ähnlich hoch entwickelten Ländern hinterher hinkt. Aber zumindest die Kunden der Telekom und von Vodafone dürften mit Ausnahme von extrem abgelegenen Gebieten flächendeckend einen akzeptablen Empfang haben. Bei O2 gibt es nach wie vor wesentlich mehr Probleme, von E-Plus/Base ganz zu schweigen.

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