Mobilfunkvertrag | 6 Tipps vor dem Abschluss

Ausgelöst durch den Zusammenschluss von BASE und O2 (Telefónica) wird im Moment in der Presse und in den einschlägigen Foren viel über den richtigen Mobilfunkvertrag sowie Mobilfunknetze geschrieben und diskutiert. Offensichtlich gibt es hier einige Verunsicherung.

Mobilfunkvertrag

Wie findest du den richtigen Mobilfunkvertrag?

In diesem Beitrag bekommst du keine Empfehlung für einen Mobilfunkvertrag bei einem bestimmten Anbieter. Genauso wenig wird ein bestimmtes Netz favorisiert. Es geht um Anregungen, was du vor Abschluss eines Laufzeit-Vertrages bedenken und/oder berücksichtigen solltest. Auf Prepaid gehe ich in diesem Artikel nicht näher ein, da aufgrund der kurzen Bindung Fehler keinen allzu großen Schaden anrichten können.
Warum ist aber Augen auf und Gehirn einschalten so wichtig, bevor du einen Mobilfunkvertrag abschließt? Hauptsache günstig reicht doch. J…ein.

1. Grundsätzliches – Was bedeutet der Abschluss eines Mobilfunkvertrags?

Im Normalfall beträgt die Vertragslaufzeit 24 Monate.

Falls du vor/bei der Vertragsverlängerung auch nur einen Aspekt änderst (z.B. Erweiterung der Internet-Flat oder neues, an den Vertrag gekoppeltes Handy) läuft der Vertrag wiederum über 24 Monate!

Eine Sonderkündigung (vorzeitige/außerordentliche Kündigung) ist schwierig und eigentlich nur aus drei Gründen möglich:

Ableben des Vertrags-Kunden, was wir uns doch alle nicht wünschen = ein amtliches Dokument (Totenschein) muss das beweisen.

Insolvenz des Kunden, auch nicht sehr angenehm = der Anbieter akzeptiert das meistens allein aus eigenem finanziellen Interesse.

Nicht erbrachte Leistung (falls nach Aufforderung keine Nachbesserung erfolgte) = extrem schwierig, weil der Kunde eindeutige Beweise dafür vorgelegen muss, was gerade bei Netzproblemen aufgrund fehlender technischer Möglichkeiten seitens des Kunden schwer ist. Dies führt meistens zu einem langwierigen Verfahren mit offenem Ausgang, während dessen der Kunde weiter für den Vertrag zahlen muss.

Kündigung durch den Anbieter wegen Verstoßes des Kunden gegen die AGBs. Der Anbieter kann jedoch einen Ausgleich für den finanziellen Schaden bzw. die Zahlung bis zum ursprünglichen Vertrags-Ende verlangen.

Wenn du deinen Mobilfunkvertrag nicht spätestens 3 Monate vor Ende der Laufzeit schriftlich kündigst, verlängert er sich automatisch um 12 Monate.

Bisher musst(est) du die Kündigung in Briefform an den Anbieter schicken. Für Verträge, die nach dem 1.10.2016 abgeschlossen wurden/werden gilt, dass auch eine Kündigung per E-Mail oder Fax gültig ist. Entsprechende Ausschluss-Klauseln sind in neuen Verträgen nicht mehr erlaubt. Doch auch vor einer Kündigung nicht vergessen, das Kleingedruckte genau zu lesen! Denn dabei können ebenso (wenn auch nicht ganz legale) Fallstricke eingebaut sein, wie der Fall eines Kunden von 1&1 zeigt.

Zunächst akzeptierte der Anbieter die fristgerechte schriftliche Kündigung. Nach Ende der Vertragslaufzeit verlängerte 1&1 den Vertrag trotzdem um weitere 12 Monate, da der Kunde seine Kündigung noch einmal telefonisch hätte bestätigen müssen.

Auch O2 verhält sich bei einer frühzeitigen Kündigung nicht sehr kundenfreundlich. Wurde dir bei Vertragsabschluss ein Rabatt über die gesamte Vertragslaufzeit eingeräumt, kann es dennoch passieren, dass dieser dir vorzeitig gestrichen wird. Kündigst du den Vertrag sicherheitshalber schon mal ein Jahr vor dem eigentlichen Vertragsende, könnte es sein, dass du ab Eingang der Kündigung über die restliche Laufzeit keinen Rabatt mehr angerechnet bekommst – also die volle Summe zahlen musst.

2. Umfang – Was ist im Vertrag enthalten?

Telefonie:

Die Frage wie viele Telefonminuten oder SMS du brauchst stellt sich oft nicht mehr, da viele Verträge eine All-Net-Telefon- und SMS-Flat enthalten. Außerdem gibt es selbst für Nicht-Telefonierer und WhatsApp o.ä.-Nutzer für Smartphones keine Nur-Internet-Flat-Verträge mehr (nur noch für Tablets).

Internet: Welches Datenvolumen brauchst du?

› Nutzt du das Internet überwiegend zu Hause/bei der Arbeit im WLAN?
› Verwendest du unterwegs das Smartphone oft als Navi oder mit Streaming-Diensten?
› Synchronisiert das Handy permanent soziale Netzwerke, Cloud-Dienste etc.?

›› Aktuell sollte der Vertrag eine Flat von mind. 500 MB einschließen (selbst bei Minimal-Nutzern).

Sobald du mehr Datenvolumen als gebucht verbrauchst, drosseln die Anbieter die Geschwindigkeit mehr oder weniger stark. Unter Umständen kannst du keine Fotos mehr versenden / empfangen und auch Streaming-Dienste versagen ihren Dienst.
Achtung: Bei einigen Anbietern wird bei mehrmaliger Überschreitung des gebuchten Volumens automatisch das Daten-Volumen erhöht, was zusätzliche Kosten verursacht. Andererseits verschenkst du bei einer zu großen Flat Geld (Runterstufen geht i. d. R. nicht, siehe auch Grundsätzliches)

LTE: Die neueren und hochwertigen Smartphones haben LTE. In den meisten Verträgen ist es enthalten. Aber: LTE gibt es noch nicht in allen Mobilfunk-Netzen bzw. nicht an jedem Standort (siehe auch Netz Punkt 3.).

3. Zusätzliche Leistungen

Festnetz-Nummer:

Bei vielen Anbietern kannst du zur Mobil- noch eine Festnetz-Nummer hinzubuchen. Sie kostet zusätzlich. Ob die Zusatzkosten sinnvoll sind, hängt ganz von deinen persönlichen Telefon-Gewohnheiten ab.

Streaming-Dienste:

In manchen Verträgen sind Rabatte für Streaming-Dienste (Spotify, Deezer, o. ä.) enthalten.

Manche Dienste sind nur für eine begrenzte Zeit kostenlos; danach musst du zur Weiternutzung ein zusätzliches Abo mit dem Streaming-Dienst abschließen. Die regelmäßige Nutzung eines Streaming-Dienstes frisst schnell das gebuchte Daten-Volumen auf (siehe auch Umfang).

Das E(dge)-Netz ist für ein entspanntes Nutzen dieser Dienste nicht geeignet (z. B. Abbrüche bei der Wiedergabe); es sei denn du speicherst deine Musik während du dich im WLAN befindest und verwendest den Dienst außerhalb offline.
Und wiedermal: Das Kleingedruckte genau lesen und vorher über die vorhandene Netzqualität informieren (siehe auch Netz)

4. Handys

Häufig wird bei Abschluss des Vertrags ein Handy angeboten. Grundsätzlich gehört das Gerät während der Vertragslaufzeit noch dem Mobilfunk-Anbieter, d. h. auch eventuelle Reparaturen oder Reklamationen sind über ihn abzuwickeln.

› Vielleicht machst du dich vorher kundig, was das fragliche Gerät woanders kostet, wie alt Modell und Betriebssystem sind und ob es deinen Vorstellungen und Bedürfnissen entspricht. Ein über- oder unterdimensioniertes und eventuell auch noch überteuertes Gerät macht nicht glücklich, nur weil der Anbieter es anpreist.

› Verlangt der Anbieter für das neue Gerät bei Vertragsabschluss bzw. bei Ablauf des Vertrages eine Voraus-/Restzahlung? Dann diesen Betrag zuzüglich der monatlichen Rate x 24 ausrechnen, um den Endpreis zu erhalten.

› Gehört das Gerät nach Vertragsablauf dir oder musst du es dem Anbieter zurückgegeben?

› Abschluss einer Handy-Versicherung: Über den Sinn oder Unsinn einer solchen Versicherung gehen die Meinungen auseinander, da z. B. selbst verursachte Schäden (fallen lassen) oft nicht abgedeckt sind. Bei einem sehr teuren Gerät könntest du aber darüber nachdenken.

Und schon wieder: Vorher genau die Versicherungsklauseln lesen! Informiere dich eventuell auch über die Reparatur-Service-Leistungen des jeweiligen Geräte-Herstellers und eine eventuelle Eigenbeteiligung!

5. Netz – Welches Netz ist für mich das beste?

a. Zur Wahl stehen in Deutschland D1 (Telekom*), D2 (Vodafone*) oder E (Base+O2*).

b. *Darüber hinaus gibt es in allen Netzen noch weitere Anbieter (siehe auch Kosten)

c. Wie sieht die Netzabdeckung, -stabilität und -qualität dort aus, wo du dich am häufigsten aufhältst? Vielleicht ist das einer der wichtigsten Punkte von allen!

Karten mit der Netzabdeckung der verschiedenen Anbieter am eigenen Standort im Internet ansehen:

› Verfügbarkeit und Signalstärke von GSM/2G und UMTS/3G (HSDPA) und LTE?

› Wo stehen in deiner Umgebung Funkmasten der jeweiligen Anbieter (Abschirmung durch hohe Gebäude etc.)?

› Bitte Freunde das Netz ihres Anbieters an deinem Standort zu testen. Wenn sie in ihrer Gegend einen super Empfang haben, heißt das noch lange nicht, dass der Empfang ein paar Meter weiter noch genauso gut ist. Vor allem, wenn du dich an der Grenze von Funkzellen befindest!

› Bewegst du dich überwiegend in städtischem oder ländlichem Umfeld, im Westen, Norden, Osten oder Süden Deutschlands oder in Grenznähe?

6. Kosten – Welcher Anbieter soll es sein?

Ist die Entscheidung für ein Netz gefallen, stellt sich die Frage bei welchem Anbieter der Mobilfunkvertrag abgeschlossen werden soll (s. Artikel: Ist die Telekom immer zu teuer?).

Ausgehend von den individuelle Ansprüchen – welcher Anbieter bietet die besten Konditionen zum besten Preis?

Die Angebote aller Anbieter wechseln ständig, so dass ein heute teurer Anbieter vielleicht morgen schon das günstigste Angebot für deine Bedürfnisse haben kann.

Online bekommst du häufig günstigere Angebote, jedoch ist der Service ohne Beratung und unpersönlich.

In den jeweiligen Shops wirst du beraten. Außerdem kannst du beobachten, wie die Beratung von anderen Kunden (die evtl. Probleme haben) aussieht.

Oft kannst du auch noch über den Preis oder gewisse Extras verhandeln. Ein Tag Bedenkzeit sollte ebenfalls drin sein. Verkaufen wollen alle, aber bei Problemen oder Beschwerden hört die Freundlichkeit und Kompetenz oft auf.

Produktinformationsblatt

Nachdem die Bundesnetzagentur am 19.12.2016 die Transparenzverordnung für den Telekommunikationsbereich erlassen hat, tritt die Verordnung am 1. Juni 2017 in Kraft. Die Unternehmen haben 6 Monate Zeit, ihren neuen Verpflichtungen nachzukommen.

Was hat sich geändert?

Bevor du einen Mobilfunkvertrag abschließt, müssen dir alle Anbieter ein Produktinformationsblatt geben. Hierauf sind folgende Angaben aufgelistet

Datenübertragungsraten Download + Upload (maximal + gedrosselt)
Dienste, die nicht auf das gebuchte Volumen angerechnet werden
Vertragslaufzeit + Kündungsfrist vor Laufzeitende, sofern der Vertrag sich nicht automatisch verlängern soll
Kosten ohne / mit Gerät (Produkt) / mit Premium-Gerät (Produkt)
jeweils pro Monat von … bis … und Kosten für die Folgemonate

Bei Prepaid-Tarifen zusätzlich
Ab wieviel GB Verbrauch gedrosselt wird
Basispreis für Daten/MB – Telefonie/min – Nachrichten/SMS
Kündigungsfrist – Tarifoptionen jederzeit abbestellbar / Option … Tage nach Aktivierung gültig
Preis

Darüberhinaus müssen die Anbieter auf jeder Mobilfunkrechnung die Vertragslaufzeit von … bis … sowie die Kündigungsfrist, d. h. wie viele Wochen/Monate vor Vertragsende der Vertrag gekündigt werden muss, angeben.
Durch diese Maßnahmen will die Bundesnetzagentur erreichen, dass Mobilfunkverträge transparenter und vergleichbarer werden. Die wichtigsten Punkte sollen so klar ersichtlich sein und nicht mehr verklausuliert in irgendwelchen kleingedruckten Fußnoten beschrieben werden.

Um von dieser neuen Regelung zu profitieren, solltest du dieses Produktinformationsblatt auf jeden Fall lesen. Verlass dich nicht nur auf die Werbung oder die Aussagen des Kundenberaters. So sind Anfang 2018 drei Unternehmen (1&1, GMX und web.de) negativ aufgefallen. Sie werben mit LTE-Geschwindigkeit, tatsächlich liegt die maximale Übertragungsrate jedoch nur bei 21,1 MBit/s. Nach Klageeinreichung durch die Verbraucherzentrale hat 1&1 seine Tarife überarbeitet und du kannst jetzt je nach Vertrag mit bis zu 50 MBit/s bzw. 225 MBit/s surfen.

+ Abbildung 1 Laufzeitvertrag / + Abbildung 2 Prepaid I / + Abbildung 3 Prepaid II

Kündigung

Bisher musst(est) du die Kündigung in Briefform an den Anbieter schicken. Für Verträge, die nach dem 1.10.2016 abgeschlossen wurden/werden gilt, dass auch eine Kündigung per E-Mail oder Fax gültig ist. Entsprechende Ausschluss-Klauseln sind in neuen Verträgen nicht mehr erlaubt. Doch auch vor einer Kündigung nicht vergessen, das Kleingedruckte genau zu lesen! Denn dabei können ebenso (wenn auch nicht ganz legale) Fallstricke eingebaut sein.

Wie der Fall eines Kunden von 1&1 zeigt, bist du vor Überraschungen nie sicher. Zunächst akzeptierte der Anbieter die fristgerechte schriftliche Kündigung. Nach Ende der Vertragslaufzeit verlängerte 1&1 den Vertrag trotzdem um weitere 12 Monate, da der Kunde seine Kündigung noch einmal telefonisch hätte bestätigen müssen.

Auch O2 verhält sich bei einer frühzeitigen Kündigung nicht sehr kundenfreundlich. Wurde dir bei Vertragsabschluss (insbesondere online) ein Rabatt über die gesamte Vertragslaufzeit eingeräumt, kann es dennoch passieren, dass dieser dir vorzeitig gestrichen wird. Kündigst du den Mobilfunkvertrag sicherheitshalber z. B. ein Jahr vor dem eigentlichen Vertragsende, könnte es sein, dass du ab Eingang der Kündigung über die restliche Laufzeit keinen Rabatt mehr angerechnet bekommst – also die volle Summe zahlen musst. Eventuell steht irgendwo in deinem Vertrag folgendes:

24 Monate 11 % Rabatt auf die Grundgebühr.
Dieser Rabatt entfällt, sobald uns eine Kündigung Ihres Vertrages zugeht, spätestens jedoch nach Ablauf von 24 Monaten.

Fazit

Den perfekten Mobilfunkvertrag wird es wahrscheinlich nicht geben. Meistens muss ein Kompromiss gemacht werden. Aber die Kosten sollten nicht unbedingt an erster Stelle stehen.

Was nützt dir der günstigste Vertrag, wenn er nicht deinen Bedürfnissen entspricht oder du schlechten Empfang hast? Dann ist auch das beste Schnäppchen noch zu teuer.

Wichtiger ist zunächst die Netzabdeckung. Danach kommen die gewünschten Leistungen. Ist klar, was du willst und brauchst, kann die Suche nach dem günstigsten Anbieter beginnen. Hierbei dürfte das am 01.06.2017 eingeführte und hoffentlich auch zeitnah verfügbare Produktionformationsblatt hilfreich sein. Damit kannst du die Tarife direkt vergleichen. Hast du einen Vertrag gefunden, trotzdem auch noch das Kleingedruckte gründlich lesen und wenn alles passt – entspanntes und hoffentlich problemloses Telefonieren, Chatten, Simsen, Surfen, Streamen und was man sonst noch alles mit einem Smartphone machen kann!

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