Update-Praxis mobiler Gerätehersteller | Android / iOS

Die Update-Praxis der Hersteller und Mobilfunkanbieter gibt häufig Anlass zu Diskussionen. Vor allem die Verzögerungen bei Android-Updates sorgen für Kritik. Ab Android N sollen Updates von Google automatisch auf den Geräten installiert werden. Wäre das die Lösung des Problems?

Update Praxis

Update-Praxis – Ausgangslage

Vereinfacht dargestellt geben Google (Android) und Apple (iOS) System-, Nachbesserungs- und Sicherheits-Updates zu einem bestimmten Zeitpunkt frei. Die Verteilung startet bei Google für die aktuellen Nexus- und Pixel-Modelle relativ zeitnah. Apple verteilt Updates direkt und zeitgleich auf allen aktuellen Geräten, wobei aktuell bei Android- und Apple-Geräten anders definiert ist (siehe unter Unterschiede).

Sobald auf deinem Gerät ein Update zur Verfügung steht, bekommst du meistens eine entsprechende Benachrichtigung. Bei manchen Geräten musst du jedoch selbst in den Einstellungen nach einem Update suchen und es in beiden Fällen anschließend aktiv heruntergeladen und installieren.
Bis zu diesem Punkt dürften Google und Apple eine in etwa vergleichbare Update-Praxis verfolgen.

Verzögerungen durch Branding

Bei den meisten Android-Geräten hängen Aktualisierungen nicht allein von Google, sondern maßgeblich von den jeweiligen Herstellern ab. Deren Update-Praxis ist völlig undurchschaubar bzw. nicht nachvollziehbar. Handelt es sich bei deinem Gerät um eines mit Branding, dann wird es noch komplizierter.

Was bedeutet Branding?
Telekom, Vodafone, O2 … verkaufen die Geräte unter dem originalen Markennamen, jedoch mit geänderter Hardware- und/oder Software. Eine äußerliche Kennzeichnung am Gehäuse gibt es in Deutschland nicht mehr, aber nach dem Einschalten weist das Start-Logo auf die Änderung hin. Außerdem befinden sich auf dem Gerät häufig zusätzliche Apps des Anbieters, die du i. d. R. ohne technische Tricks nicht deinstallieren kannst.

Geräte mit Branding sind oft günstiger als freie, haben aber später einen geringeren Wieder-Verkaufswert. Quelle: Teltarif

Jedenfalls ist bei Geräten mit Branding noch mehr Geduld gefragt, da die Updates nach der Anpassung durch den Hersteller auch noch vom jeweiligen Mobilfunk-Anbieter modifiziert werden müss(t)en. Infolgedessen kommt es zu einer weiteren Verzögerung bei der Auslieferung der Updates. Insbesondere auf kleinere Optimierungen eines großen System-Updates (z. B. von 6.0 auf 6.0.1) wartest du nicht selten vergeblich.

Unterschiede

Bei allen Herstellern und bei beiden Systemen bekommen die aktuellen Geräte Updates. Und genau bei der Definition von aktuell gibt es den ersten Unterschied zwischen iOS und Android. Apple aktualisiert bisher auch noch bis zu vier Jahre alte Geräte.

Android-Geräte, die älter als zwei Jahre sind, bekommen eigentlich keine System-Updates mehr (in Einzelfällen werden wichtige Sicherheits-Updates bei manchen Herstellern noch etwas länger verteilt).
Update-Praxis Android-iOS
Handelt es sich nicht um Geräte der oberen Preisklasse, die sogenannten Flaggschiffe der jeweiligen Hersteller, sieht es noch schlechter aus.

Viele, vor allem zur mittleren oder unteren Preisklasse gehörende Smartphones, werden auf den Markt gebracht und erhalten bestenfalls noch ein größeres Update, manchmal auch gar keins mehr. Oft gehen diese Devices mit bereits zum Auslieferungszeitpunkt überholten Android-Versionen an den Start. Quelle: MobiFlip

Des weiteren variieren sowohl der Zeitpunkt der Update-Verteilung als auch die Update-Version. So liefern manche Hersteller ein System-Update erst (über) ein Jahr nach der Freigabe durch Google aus. Dann ist oft bereits schon die nächste Android-Version auf dem Markt. Manche aktualisieren nur auf die Hauptversionen (z. B. von 6.0 auf 7.0 …) und überspringen die Zwischen-Updates, andere spielen direkt die zum entsprechenden Zeitpunkt aktuellste modifizierte Version auf.

Somit gibt es nicht nur eine Vielzahl an Android-Geräten, sondern es werden auch viele unterschiedliche System-Versionen zeitgleich verwendet.

Untersuchung durch die FTC

Bereits seit 2013 versucht die FTC (Federal Trade Commission) in den USA acht Hersteller von mobilen Geräten dazu zu bewegen, Auskunft über die Verteilung von Sicherheits-Updates, d. h. Informationen zu ihrer Update-Praxis für Smartphones, Tablets und andere mobile Geräte zur Verfügung zu stellen. Die Aufforderung ging an Apple, Inc. – Blackberry Corp. – Google, Inc. – HTC America, Inc. – LG Electronics USA, Inc. – Microsoft Corp. – Motorola Mobility, LLC und Samsung Electronics America, Inc.

Unter anderem sollen die Firmen informieren über

› die Faktoren, nach denen sie entscheiden, ob ein bestimmtes Gerät ein Sicherheits-Update erhält
› detaillierte Daten zu einzelnen Geräten, die seit August 2013 zum Kauf angeboten wurden
› die Sicherheitslücken, die diese Geräte betrafen und
› ob und wann die Hersteller solche Fehler behoben haben

Die Aufforderungen, die am 09.05.2016 herausgegeben wurden, sind ein Teil der fortlaufenden Bemühungen des FTC, die Sicherheit mobiler Geräte zu erfassen. Die Federal Communication Commission führt parallel eine separate Untersuchung bei Mobilfunkanbietern (e. g. AT&T, Sprint) durch.

Google reagiert – Schnellere Updates ab Android N?

Anlässlich des Google I/O vom 18.-20.05.2016 gab Google bekannt, dass es mit der Android N-Version automatisches Updaten einführen wird. Das Laden und Installieren der Updates geschieht dann im Hintergrund.

Beim nächsten Neustart des Smartphones oder Tablets wird dieses einfach mit der neuen System-Software starten. Es wird keine Extra-Dialoge oder Wartezeiten bei der Installation mehr geben, da diese bereits abgeschlossen ist. Android N wird zwei System-Partitionen (Programmbereiche) haben, eine offline und eine online. Wenn ein Update gefunden wird, wird es im Offline-Bereich installiert. Beim nächsten Starten des Gerätes wechselt es von offline zu online und die aktualisierte Version wird verwendet.
Die doppelte Partition ermöglicht auch einen Rückgriff, falls das OTA das Gerät abstürzen lässt. Jedoch ist nicht klar, wie viel Extra-Speicherplatz die zweite Partition verbrauchen wird. Nahtlose Updates werden von allen Android N Geräten unterstützt werden, nicht nur von solchen, die Standard-Android verwenden. Quelle (englisch): Androidpolice

Wie es aussieht, gibt es aber dennoch auch weiterhin, abhängig von der Update-Praxis der jeweiligen Hersteller, unterschiedliche Update-Prozesse für unterschiedliche Geräte.

Negativ-Beispiel LG G3

Die Update-Praxis von LG hat sich seit 2015 erheblich verschlechtert. Ein angeblich im Januar 2016 verteiltes Sicherheits-Update ist zumindest bei einigen Geräten bis heute nicht angekommen. Zusätzlich stellte sich heraus, dass du System-Updates laut LG sowieso nur noch über die PC Suite installieren kannst. Dasselbe gilt für das Schließen einer seit der Installation von Android 6.0 vorhandenen Sicherheitslücke.

Ausgehend von dieser Problematik würde Googles Neuerung zumindest bei LG-Geräten absolut im Nichts verlaufen …

Vorgetäuschte Patches

Selbst wenn das Datum des letzten Sicherheit-Updates noch nicht allzu lange zurückliegt, kannst du dich nicht in Sicherheit wiegen. Was Forscher der Security Research Labs Anfang 2018 herausfanden, wirft ebenfalls kein gutes Licht auf die Update-Praxis bei Android. Untersuchungen von 1200 im vorigen Jahr auf den Markt gekommenen Geräten zeigten, dass …

Smartphones von fast allen Herstellern vorgeben, Patches zu besitzen, die tatsächlich nie installiert wurden.

So fehlten beispielsweise bei Geräten von Google, Samsung und Sony u. U. ein Update, bei solchen von OnePlus, Xiaomi, Nokia oder Motorola schon ein bis zwei. Noch schlechter sieht es mit drei oder vier fehlenden Patches bei Smartphones von HTC, Blackberry, Asus, Fairphone, LG, Huawei und Lenovo aus. Das Schlusslicht bildeten u. a. OPPO und ZTE mit mehr als vier fehlenden Aktualisierungen.

Bei einigen Geräten lässt sich das Auslassen der Updates noch damit erklären, dass auf ihnen von Anfang an die Funktion fehlte, die zu aktualisieren wäre. In anderen Fällen wurden die Patches anscheinend ohne besondere Absicht übersprungen. Sehr bedenklich ist jedoch, dass einige Hersteller offensichtlich einfach das Datum aktualisierten, ohne jedoch ein Update zu installieren.

Fazit

Die Begründung für die schnelleren Updates bei Apple lautet immer wieder: Es handelt sich um ein geschlossenes System! Das macht es einfacher. – Jedoch ist das etwas zu kurz gedacht.

Rein technisch betrachtet ist Android auch nur ein System. Insofern sind die Voraussetzungen also bei beiden die gleichen. Die Problematik entsteht somit erst bei den Geräte-Herstellern. Einerseits bringen sie ständig immer mehr neue Modelle auf den Markt. Anderseits meinen sie, das System mehr oder weniger sinnvoll umbauen oder anpassen zu müssen. Vielleicht führt das zu einer gewissen Überforderung dabei, alle Geräte auf dem neuesten Stand zu halten.

Der Ansatz, den Google hinsichtlich Updates in Zukunft verfolgen will, ist schon ein Schritt in die richtige Richtung. Zumindest entfiele dann die manuelle Suche nach Updates. Genauso würde das u. U. mehrfache Schlummern lassen der Update-Benachrichtigung entfallen, wenn die Aktualisierung aufgrund von schlechtem Empfang, fehlendem WLAN o. ä. nicht sofort möglich wäre.

Zumindest bis Ende 2017 hat sich aber leider hinsichtlich der Update-Praxis der Hersteller und Mobilfunkanbieter nichts bewegt. So bleibt es fraglich, ob, wie und wann die Hersteller die Pläne von Google jemals umsetzen. Momentan sieht es eher so aus, als ob Updates immer spärlicher, zeitverzögerter und an immer weniger Modelle eines Herstellers verteilt würden.

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