WLAN-Hotspots | Frei und ohne Risiken nutzen?

In Deutschland gibt es zunehmend mehr öffentliche WLAN-Hotspots. Diese werden sowohl direkt von Mobilfunk- und Internet-Anbietern als auch von Unternehmen und Privatpersonen zur Verfügung gestellt. Gibt es dabei Risiken für Anbieter und/oder Nutzer? Wenn ja, welche?

WLAN Hotspots
Illustration: eb / ebblogs

Öffentliche WLAN-Hotspots in Deutschland

Trotz der Fortschritte in der letzten Zeit hinkt Deutschland in punkto Netzausbau immer noch vielen vergleichbaren Ländern hinterher. Das betrifft auch den Zugang zu öffentlichem WLAN.
WLAN-Hotspots Stats
Diese Statistik (Februar 2015) zeigt ausgewählte Regionen und Länder nach der Anzahl der verfügbaren WLAN-Hotspots. Zum Zeitpunkt der Erhebung gab es in Nordamerika 12.512 WLAN-Hotspots. Doch auch in Deutschland tut sich etwas, wenn auch langsam und mit viel Wenn und Aber.

WLAN-Hotspots – halb-öffentlich

Die ersten halb-öffentlichen WLAN-Zugänge wurden wurden von Unternehmen angeboten. Hierbei schaltet das Unternehmen einen Teilbereich des Firmen-Routers für Kunden frei. Bevor du dich einloggen kannst, musst du dir das jeweilige Passwort geben lassen. Manche Hotels/Gaststätten schalten einen speziellen Hotspot-Anbieter ein, so dass du zwar das Passwort vom Hotel bekommst, dich aber auf der Webseite dieses Anbieters einloggen musst. Halb-öffentlich bedeutet also, dass das WLAN nicht nur für Mitarbeiter, sondern auch für Kunden zugänglich ist. Jedoch nicht völlig unkontrolliert.

Private WLAN-Hotspots

Viele Unitymedia-Kunden haben ein Schreiben mit folgendem Inhalt (Ausschnitte) erhalten:

… Sie müssen nichts tun außer sich zurückzulehnen und sich vorzufreuen. In den kommenden Wochen wird auf Ihrem WLAN-Router automatisch ein separates WLAN-Signal aktiviert. Dieses WLAN-Signal arbeitet absolut getrennt von Ihrem privat genutzten WLAN-Netz. Das heißt: Ihre Sicherheit, Ihre Privatsphäre und die garantierte Bandbreite bleiben zu jeder Zeit gewährleistet. …
Sie können der … innerhalb der nächsten 4 Wochen widersprechen.

Bei Telekom-Kunden ist der Wortlaut im übrigen ähnlich.

Wo ist der Haken?

Streng genommen handelt es sich um eine Vertragsänderung durch die Hintertür. Die Verbraucherzentrale hatte Unitymedia bzgl. der Vorgehensweise bei der automatischen Einrichtung von öffentlichen Hotspots auf privaten Routern abgemahnt:

… jedoch halten sie die einseitige Änderung der Geschäftsbedingungen ohne Einverständnis des Kunden für unzulässig. Auch dass dem Kunden bestimmte Pflichten etwa zur Stromversorgung des Routers auferlegt werden hält die Verbraucherzentrale für unangemessen.

Daraufhin versprach Unitymedia, die Geschäftsbedingungen für das an Kundenanschlüssen aufgebaute Hotspot-Netz zu überarbeiten. CTO Dieter Vorbeck teilt mit:

Wir haben gegenüber der Verbraucherzentrale NRW am 20. Mai eine Unterlassungserklärung abgegeben. Sie besagt, dass wir uns auf die Besonderen Geschäftsbedingungen WifiSpot in der an die Bestandskunden kommunizierten Form nicht mehr berufen werden. Darüber hinaus werden wir die WifiSpot-Geschäftsbedingungen in den kritisierten Punkten überarbeiten.

Unitymedia scheint jedoch nicht alle beanstandeten Punkte ausreichend berücksichtigt zu haben. Die Erklärung wird von der Verbraucherzentrale NRW geprüft und sie wird sich weiter mit Unitymedia austauschen. Quelle: heise online Die Einreichung eines Klage ist nicht ausgeschlossen.

Die Geschwindigkeit

Unitymedia verspricht, dass die Leistung des privaten WLAN durch die Freischaltung nicht beeinträchtigt wird. Wer dies überprüfen möchte, sollte unbedingt vor und nach der Aktivierung mithilfe eines Online-Geschwindigkeitsmessers die eigene Internetleistung messen. Sollten Kunden einen langsameren Datentransfer feststellten, rät die Verbraucherzentrale NRW diesen unmittelbar bei Unitymedia anzuzeigen und Abhilfe zu fordern.

Die Pflichten

Hierzu muss z. B. bei Unitymedia das Kleingedruckte gelesen werden (auf der Rückseite des Anschreibens – Lupe nicht vergessen):

Der Kunde hat es zu unterlassen, die Nutzung seines Homespots zu beeinträchtigen oder zu unterbinden. (6 – 6.5)

Bedeutet das, dass ich meinen eigenen Router (z. B. während eines Urlaubs oder längerer Abwesenheit) nicht mehr beliebig ein- und ausschalten darf?

Die Kosten

Genau an diesem Punkt wird das Ganze noch undurchsichtiger und Informationen dazu musst du ebenfalls suchen, z. B. bei Unitymedia ganz am Ende des Schreibens:

Bitte beachten Sie, dass Sie im Falle eines Widerspruchs unser neues WifiSpot Angebot auch nicht nutzen können.

Soll heißen, wenn ich keine anderen in mein Netz lasse, dann darf ich auch keinen anderen WLAN-Hotspot von Unitymedia nutzen!
Wie sieht das bei der Telekom, einer der bekanntesten Anbieter von öffentlichen WLAN-Hotspots aus?

Unterwegs kabellos surfen mit HotSpot
Gehen Sie an über 1 Million HotSpots in Deutschland … Überall dort, wo Sie das HotSpot Zeichen entdecken, sind Sie mit wenigen Klicks inline und haben Zugriff auf Ihre E-Mails und alle Informationen aus dem Internet. Sie können chatten und surfen wie zu Hause am PC.

Und das kostenlos – nein! Bisher war die HotSpot-Nutzung im Mobilfunk- oder Festnetz-Tarif enthalten. Das wurde aber kürzlich geändert. Entweder du buchst eine HotSpot-Flat (4,95 €) zum bestehenden Tarif dazu oder du buchst die Option WLAN TO GO, deren Konditionen den für Unitymedia beschriebenen gleichen. – Wenn ich nichts abgebe, dann bekomme ich auch nichts!

Nutzung eines Hotspots – z. B. Unitymedia

Zunächst musst du dich im Kundencenter einloggen.

› Meine Produkte
›› Internet
››› WiFiSpot-Einstellungen
›››› persönliches Passwort einsetzen

Befindest sich dein mobiles Gerät im Bereich eines Unitymedia-Hotspots, verbindest du es mit dem Netzwerk. Du gibst deinen Unitymedia-Benutzernamen und das Passwort ein. Dein Gerät sollte sich dann in Zukunft automatisch mit jedem Hotspot automatisch verbinden.

Risiken für Anbieter

Obwohl es sich um zwei getrennte Signale handelt, ist es doch ein Router. Personen mit entsprechendem kriminellen Potential könnten leichteren Zugang zum privaten Bereich erlangen.

Ein zweites Problem war die sogenannte Störerhaftung. Bisher bedeutete das, dass im Falle dass ein Fremder über diesen WLAN-Hotspot z. B. illegale Daten herunterlädt, der Betreiber des Routers haftet. Deshalb mussten die Besitzer des Routers diesen für öffentliche Hotspots gesondert sichern. Dies hat sich geändert.

Auszug aus dem Telemediengesetz

§ 8 Durchleitung von Informationen
(1) Diensteanbieter sind für fremde Informationen, die sie in einem Kommunikationsnetz übermitteln oder zu
denen sie den Zugang zur Nutzung vermitteln, nicht verantwortlich, sofern sie
1. die Übermittlung nicht veranlasst,
2. den Adressaten der übermittelten Informationen nicht ausgewählt und
3. die übermittelten Informationen nicht ausgewählt oder verändert haben.
Sofern diese Diensteanbieter nicht verantwortlich sind, können sie insbesondere nicht wegen einer
rechtswidrigen Handlung eines Nutzers auf Schadensersatz oder Beseitigung oder Unterlassung einer
Rechtsverletzung in Anspruch genommen werden; dasselbe gilt hinsichtlich aller Kosten für die Geltendmachung
und Durchsetzung dieser Ansprüche.

(4) Diensteanbieter nach § 8 Absatz 3 dürfen von einer Behörde nicht verpflichtet werden,
1. vor Gewährung des Zugangs
a) die persönlichen Daten von Nutzern zu erheben und zu speichern (Registrierung) oder
b) die Eingabe eines Passworts zu verlangen oder
2. das Anbieten des Dienstes dauerhaft einzustellen

Quelle: Bundesministerium der Justiz und für Verbrauerschutz

Am 24.11.2016 hat der BGH erneut bestätigt:

… dass private Netzbetreiber in Zukunft das Passwort unverändert weiter nutzen können, mit dem ihr Router ausgeliefert wird. Das gilt zumindest dann, wenn der Hersteller das Passwort individuell vergibt und dabei aktuelle Sicherheitsstandards einhält.

Erneute Änderung des Telemediengesetzes:

Wenn Inhaber von Urheberrechten feststellen, dass unerlaubt geschützte Werke über ein WLAN verbreitet werden, dürfen sie von Hotspot-Betreibern weder Schadenersatz noch Abmahngebühren verlangen. Sie sollen mit Websperren gegen solche illegalen Praktiken vorgehen können. Gemäß Paragraf 7 Absatz 4 haben sie eine ausdrückliche Anspruchsgrundlage für Blockaden gegen einen Diensteanbieter, Die Kosten für eine solche Anordnung soll der Rechteinhaber tragen.

Verbraucherschützer, Bürgerrechtler sowie Anbieter bezeichnen diese Verordnung jedoch als systemwidrig. Denn sie befürchten eine Welle von Blockaden, die weit über das Ziel hinaus schießen würden. Zumindest solle die Sperre ganzer Ports ausgeschlossen werden. (Quelle: heise online)

Am 26. Juli 2018 bestätigte der Bundesgerichtshof (BGH) die Abschaffung der Störerhaftung in den wesentlichen Punkten. Eine Unterlassungsklage gegen den Nutzer, der sein WLAN geöffnet hat, ist nicht mehr möglich. Das gilt auch für illegale Uploads von Spielen, Filmen oder Musik durch Dritte.

Risiken für den Nutzer

Für den externen Nutzer ändert sich nichts. Wie bisher läufst du auch weiterhin natürlich Gefahr, dir Malware o. ä. einzufangen. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um öffentliche, halb-öffentliche oder private WLAN-Hotspots handelt. Denn auch ein ‚privater öffentlicher’ Zugang stellt nicht sicher, dass alles sauber ist.

Fazit

Der weitere Ausbau des WLAN-Hotspot-Netzes ist sicher zu begrüßen. Zusätzlich muss das Haftungsrisiko für Privat-Anbieter aber eindeutiger geklärt sein. Der BGH hat den ersten Schritt getan. Trotzdem ist manche Regelung noch immer sehr vage.

Es wäre kundenfreundlicher, wenn alle Beteiligten (Politiker, Netzbetreiber und Netz-Anbieter) die neuen Richtlinien und Vertragsänderungen offener und verständlicher kommunizieren würden.

Aus Sicht des Netz-Anbieters soll die Friss-oder-stirb-Klausel die Entscheidung natürlich vereinfachen, aber für den Kunden stellt es sich doch etwas komplizierter dar. Letztendlich ist abzuwägen, wie wichtig öffentliche WLAN-Zugänge für den Einzelnen sind.

• Aktualisierungen

2. Februar 2018:

Das Oberlandesgericht Köln hat im Rechtsstreit bzgl. der Nutzung privater Router als öffentlichen Hotspot folgende Entscheidung verkündet …

Kunden ist es zuzumuten, dass Unitymedia ihre Router als Hotspot verwendet.
Eine ausdrückliche Zustimmung (Opt-in) der Kunden für die Einrichtung eines Hotspots ist nicht notwendig.
Für die Kunden müsse aber jederzeit die Möglichkeit bestehen, aus dem System auszusteigen (Opt-out).

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig und eine Revision vor dem Bundesgerichtshof wurde zugelassen.

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