Smartphone-Preise – zu teuer? | Meine Meinung

Die Smartphone-Preise steigen. Nach der Vorstellung der iPhones 2017 lauteten die ersten Reaktionen: So teuer – zu teuer – nicht mehr bezahlbar – den Preis ist kein Smartphone wert … Die Diskussion über die Kosten drängte die Eigenschaften der Geräte fast vollkommen in den Hintergrund. Die Bewertung beschränkte sich auf: Apple ist zu teuer! Samsung nicht? Stimmt das so?

Smartphone

Wie hoch dürfen Smartphone-Preise sein?

Grundsätzlich darf ein Hersteller seine Produkte so günstig oder teuer verkaufen, wie er möchte. Nach oben gibt es keine Grenze. Bei der Preisgestaltung eines Produkts spielen viele Faktoren ein Rolle.

Da dies keine Wirtschafts-Webseite ist, nur so viel: Die Produzenten sind keine Wohlfahrtsunternehmen und wollen natürlich Geld verdienen. Dementsprechend führen höhere Preise zunächst auch zu einem höheren Gewinn. Das System funktioniert aber nur so lange, wie die Kunden bereit sind, diese Preise zu zahlen. So gesehen haben die Kunden eine gewisse Machtposition.

Die Preisentwicklung bei Smartphones

Um die Smartphone-Preise zumindest ansatzweise objektiv beurteilen zu können, sollten mindestens zwei Voraussetzungen erfüllt sein: Die Geräte müssen im gleichen Jahr auf den Markt gekommen sein und technisch in etwa auf gleicher Stufe stehen. In meinem Beispiel heißt das, es handelt sich um High-End-Geräte der großen Konkurrenten Samsung und Apple. Außerdem ist fairerweise zumindest der Speicherplatz zu berücksichtigen. Aufgeführt sind die Preise beim Release (Samsung Galaxy / Apple iPhone).

Die Fakten

2015: S6 / 6s mit 64 GB 799 € / 849 €, mit 128 GB 899 € / 959 € und

das S6 edge / 6s Plus mit 64 GB 949 € / 959 €, mit 128 GB 1049 € / 1069 €.

Das iPhone ist somit 50 bzw. 60 € teurer als das Samsung Gerät. Der Unterschied bei den großen Modellen ist noch geringer. Hier kosten die iPhones 10 € bzw. 20 € mehr.

2016: S7 / 7 mit 32 GB 699 € / 759 € und das S7 edge / 7 Plus mit 32 GB 799 € / 899 €;

In diesem Fall sind die iPhones 60 bzw. 100 € teurer.

2017: S8 / 8 mit 64 GB 799 € / 799 € und das S8 plus / 8 Plus mit 64 GB 899 € / 909 €;

Bei den 8er-Modellen gleichen sich die Preise jedoch wieder an. Die beiden einfachen Versionen kosten exakt dasselbe und das Samsungs S8 plus ist nur 10 € günstiger als das iPhone 8 Plus.

Gravierender ist der Unterschied bei den beiden neusten Spezial-Modellen. So kostet das Note 8 999 € und damit 150 € weniger als das iPhone X für 1149 € (jeweils mit 64 GB).

Die (Vor-) Urteile

Der Preisvergleich zeigt, dass die landläufigen Behauptungen so pauschal nicht stimmen.

» Smartphones werden immer teurer: Nein, mit einer Ausnahme

Mit 64 GB Speicher kostet das S8 (2017) genauso viel wie das S6 (2015). Das S8 plus ist sogar 50 € günstiger als das S6 edge. Beim iPhone sieht es ähnlich aus. Auch hier ist die 64 GB Variante des iPhone 8 bzw. 8 Plus 50 € günstiger als die vergleichbaren 6s-Modelle. Nur beim Note 8 bzw. iPhone X verlangt Samsung 200 € / 100 € (vgl. mit dem S8 / S8 plus) und Apple 350 € / 240 € (vgl. mit dem iPhone 8 / 8 Plus) mehr.

» Apple traut sich 2017 erstmals die 1000 € Marke zu überschreiten: Falsch

Sowohl Samsung als auch Apple verlangten schon 2015 für die 128 GB Varianten des Galaxy S6 edge 1049 € bzw. des iPhone 6s Plus 1069 €, haben also die 1000er-Marke geknackt.

» Apple ist viel teurer als andere: Stimmt , aber …

Bei vergleichbaren Eigenschaften ist Apple zwar etwas teurer als Samsung, aber der Unterschied ist bei weitem nicht so groß, wie die entsprechenden Kommentare vermuten lassen.

Die Realität

Ausgehend von den oben genannten Fakten sind die beiden aktuellen Top-Modelle verglichen mit den größeren Smartphones aus dem Jahr 2015 um 5 % (Samsung) bzw. 16 % (Apple) teurer geworden. Betrachtest du z. B. den Butter-Preis, so hat sich dieser von 2016 bis heute mehr als verdoppelt. Dagegen ist der Anstieg der Smartphone-Preise doch relativ moderat.

Ursachen der Fehleinschätzungen

Wahrnehmung und Meinungsbildung sind immer subjektiv, hängen vom eigenen Standpunkt ab und sind demzufolge u. U. objektiv betrachtet falsch. Bezogen auf die Smartphone-Preise bedeutet das, dass oft die unterschiedlichsten Geräte in einen Topf geschmissen werden.

Du darfst nicht Luxuskarossen mit Kleinwagen vergleichen, um daraus dann zu schließen, dass die Hersteller von Luxus-Autos unverschämt hohe Preise für ein einfaches Fortbewegungsmittel verlangen. Wobei sich deutlich weniger Menschen über den Preis eines Ferraris aufregen als über den eines iPhones.

Natürlich gibt es viele günstigere Smartphones, die auch nicht schlecht sind. Aber sie können in punkto Technik und Funktionen eben nicht mit den High-End-Geräten mithalten und sind demzufolge auch nicht eins-zu-eins mit diesen vergleichbar.

Unterschiede beim Speicher

Ein Punkt, der besonders häufig vernachlässigt wird. Der Preisvergleich eines 32 GB Geräts von Samsung mit einem 256 GB Gerät von Apple hinkt einfach.

Zwar kannst du den Speicher bei Samsung-Geräten mit einer SD-Karte erweitern. Dann musst du aber zu den Kosten für das Smartphone noch ca. 50 € (und mehr, je nach Qualität) für die Karte addieren. Somit würde ein Galaxy S8 + SD mindestens 849 € / ein S8 plus 949 € kosten. Und mehr als 128 GB zusätzlich sind auch nicht möglich.

Da die 2017er Geräte von Samsung nur mit 64 GB ausgeliefert werden, kämst du dann auf 192 GB. Das iPhone 8 / 8 Plus ist mit 256 GB, also noch 64 GB mehr, für 969 € / 1079 € zu haben. Der Abstand zwischen den beiden Geräten ist schon wieder kleiner geworden.

Nutzungsdauer und Support

Auch diese Faktoren sind eigentlich zu berücksichtigen. Bei Samsung, wie auch bei anderen Android-Geräten, ist nach zwei Jahren mit System- und oft auch mit Sicherheits-Updates Schluss. Theoretisch kannst du dein Gerät noch weiter nutzen, aber allein aufgrund der zunehmenden Sicherheitslücken ist das nicht zu empfehlen. Zudem treten bei vielen Geräten nach zwei Jahren gehäuft Fehler auf und der Support durch die Hersteller ist in der Regel mangelhaft. Folglich musst du quasi alle zwei bis max. drei Jahre ein neues Smartphone kaufen.

Geräte von Apple erhalten bisher noch bis zu vier Jahre Updates auf das jeweils aktuelle Betriebssystem und regelmäßig Sicherheit-Patches. Die Reparaturanfälligkeit ist geringer und der Support wesentlich kundenfreundlicher.

Fazit

Ja, Apple ist teuer und Samsung auch, zumindest was die High-End-Geräte betrifft. Ein genauerer Blick auf die Details zeigt, dass der Preisunterschied weitaus geringer ausfällt, als oft zu lesen ist. Aber sind die Smartphone-Preise deshalb generell auch zu hoch?

Wessen Glück darin liegt, mit einem Ferrari durch die Landschaft zu rasen, der wird sich einen zu kaufen wollen und sich nicht mit einem Kleinwagen zufrieden geben. Mir wäre der Ferrari zu teuer, nur um von A nach B zu fahren – ein Kleinwagen würde reichen. Aber ich interessiere mich auch nicht wirklich für Autos. Andererseits begeistere ich mich für schnelle, zuverlässige Smartphones mit den neusten Funktionen. Somit würde ich für das iPhone den Preis zahlen, für den Ferrari nicht.

Das Beispiel zeigt, dass teuer oder gar zu teuer ein rein subjektives Empfinden ist, das sich absolut nicht verallgemeinern lässt. Beide, ein High-End-Smartphone und ein Ferrari sind zweifelsohne hochpreisige Luxus-Objekte, die nicht lebensnotwendig sind.Solche Produkte nur auf ihren Preis zu reduziert ist definitiv der falsche Ansatz.

Deshalb ist die Frage nicht Ist das Produkt zu teuer?, sondern Ist das Produkt für mich den Preis wert?.

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