Wie intelligent sind Tastaturen? | Meine Meinung

Tastaturen sind heute nicht mehr nur Tasten mit Zeichen, die du antippst um einen Text zu verfassen. Sie können weit mehr: Automatische Großschreibung, Textersetzung, Wortvorschläge und vor allem Autokorrektur. Doch sind die originale Apple-Tastatur (iMac) sowie die iOS-Tastatur, Swiftkey und Gboard auf dem iPhone wirklich so intelligent, dass du dich blind darauf verlassen kannst? Der folgende Test wird es zeigen. So viel vorweg, perfekt ist keine.

Tastaturen

Tastaturen im Test

Um zu sehen, wie gut die automatische Großschreibung, Wortvorschläge, Textersetzung, der Wechsel zwischen zwei Sprachen sowie die Autokorrektur funktionieren, habe ich zwei Sätze und die folgenden Wörter auf allen Tastaturen geschrieben:
Briese – wunderschön – LG
Auf meinem iMac ist die Standardsprache Deutsch und mein iPhone spricht Englisch U. S. mit Deutsch als zweiter Tastatur-Sprache.
Da du mit Swiftkey und Gboard nicht nur tippen, sondern auch swipen (wischen) kannst, habe ich den Text auf beide Arten eingegeben.

Großschreibung

Am Satzanfang oder nach einem Punkt funktionierte sie bei allen Tastaturen gut. Problematisch wird es jedoch nach Punkten innerhalb eines Satzes (z. B. In Afrika leben große Tiere wie Elefanten, Nashörner … und natürlich auch viele kleine.). Dann wird das Und immer groß geschrieben.
Bewertung: unentschieden

Wortvorschläge

Natürlich bietet die iMac-Tastatur keine Wortvorschläge zur Auswahl an. Deshalb bleibt sie hier unbewertet. iOS, Swiftkey und Gboard schlugen folgende › Alternativen vor und verwendeten dann » diese (Tippen / Wischen): Briese + wunderschön (ohne manuelles Umschalten zum Umlaut)

iOS

› Briese – Briese’s » Briese
› wunderschon – wunderschönen – wunderschön » wunderschon

Swiftkey

› Briese – Browse – Browser » Briese / Beide
› wunderschönen – wunderschön – wunderschöne » wunderschön

Gboard

› Briese – Bruiser – Browser » Briese
› wunderschon – wunderschön » wunderschon / › wyvern wivern Wigwam » wunderschon

Mit meinem Nachnamen gab es nur beim Wischen mit Swiftkey Probleme. Sonst haben sich alle am Ende für die richtige Variante entschieden. Anders sah das bei dem Umlaut aus. Dies hat nur Swiftkey mit beiden Methoden korrekt geschrieben, während Swipen bei Gboard die abenteuerlichsten Vorschläge präsentierte. iOS tat sich mit englischen Wortvorschlägen schwer. Trotz englisch-sprachigem iPhone, das alle sonstigen Texte durchgehend in Englisch dargestellt, schlug die Tastatur fast ausschließlich deutsche Wörter vor.

1 Punkt für Swiftkey, trotz der Schwäche beim Wischen meines Namens.

Textersetzung

Grundsätzlich ist das eine gute Erfindung. Du erstellst eine Abkürzung für eine häufig gebrauchte Formulierung und brauchst in Zukunft nur noch zwei drei Buchstaben antippen und der vollständige Satz erscheint (mfg = Mit freundlichen Grüßen). Das bewältigten alle Tastaturen hervorragend. Manchmal zu gut. Und hier kommt das koreanische Unternehmen LG ins Spiel. Da ich LG oft im Zusammenhang mit Ellena (Liebe Grüße Ellena) verwende, haben sich die Tastaturen das gemerkt. Bei diesem Test meinte ich aber das Unternehmen. Die Ergebnisse sahen wie folgt aus:

iOS › LG Ellena – Ellena » LG Ellena
Swiftkey › LG Ellena – LG » LG
Gboard › LG Ellena » LG Ellena

Im ersten und dritten Fall ließ sich der Fehler durch sofortiges Löschen des Namens korrigieren. Löschst du das Leerzeichen ebenfalls und fügst es anschließend wieder hinzu, erscheint auch wieder der Name.
Der Mac war am hartnäckigsten. Er ließ sich erst durch nachträgliches Löschen (nachdem einige weitere Wörter folgten) davon überzeugen, dass es sich bei LG um ein eigenständiges Unternehmen handelt und dieses sich nicht in meinem Besitz befindet.

1 klarer Punkt für Swiftkey.

Wechsel zwischen den Sprachen

Der Mac kam damit am besten klar. Er hat sich an den ständigen Wechsel offensichtlich so gut gewöhnt, dass es ihn nicht mehr irritiert und er auch nicht versucht englische Worte in einem deutschen Text (und umgekehrt) zu korrigieren.

Die iOS-Tastatur tat sich dagegen sehr schwer damit, englische Wörter/Sätze automatisch zu erkennen. Gegenteilig verhielt sich Gboard. Die Tastatur akzeptierte zwar, dass ich manchmal deutsche Texte schreibe, weigerte sich aber konsequent, Deutsch zu lernen. Swiftkey erkannte schnell die Sprache und passte die Vorschläge entsprechend an.

Also je 1 Punkt für den iMac und Swiftkey.

Autokorrektur

Nun zum interessantes Teil des Tests. Ich habe jeweils die beiden Sätze

Manchmal funktioniert die Korrektur gar nicht
Sometimes correction works well

ohne Beachtung der Rechtschreibung getippt und gewischt und die Tastaturen etwaige Fehler nach ihrem Ermessen korrigieren lassen. Das ist dabei herausgekommen (zwischen Tippen und Swipen gab es keinen Unterschied):

iMac: Den Buchstabendreher bei manchmal hat er sofort berichtigt. Andererseits korrigiert er auch Wörter, die er nicht kennt; d. h. er verwendet ein ähnlich geschriebenes Wort (statt herunterlädst herunterlässt), was aber nicht unbedingt in den Zusammenhang passt. Ähnlich verhält es sich mit der, zugegebenermaßen komplizierten, deutschen Rechtschreibung. So möchte er herunterlädst immer getrennt schreiben, was jedoch falsch wäre. Bei englischen Wörtern gibt es weniger Probleme.

iOS

Manchmal funktioniert die Korrektur gar nicht
Sonetines correction works quute well

Swiftkey

Manchmal funktioniert die Korrektur gar nicht
Sometimes Correction works quite well

Gboard

Maximal fungibility die Kiwifruit gar nighty
Sometimes correction works quite well

Auch hier bestätigte sich wieder, was ich schon beim Sprachen-Wechsel festgestellt habe. iOS korrigierte englische Wörter nicht, der Sinn des Satzes lässt sich aber zumindest noch erahnen. Gboard konnte mit Deutsch gar nichts anfangen. Infolgedessen ist der erste Satz vollkommen unverständlich.

Diesmal erhält Swiftkey trotzdem 1 Punkt, da nur ein Buchstabe falsch war.

Fazit

Wie diese kleine Versuchsreihe zeigt, sind diese Tastaturen wesentlich intelligenter als die mechanischen früherer Zeiten, die jeden Tippfehler eins-zu-eins übernommen haben. Bezogen auf die Wortvorschläge, sind sie auch bis zu einem gewissem Grad lernfähig. Das heißt, sie merken sich Wörter/Redewendungen, die du oft verwendest. Was aber wiederum auch nach hinten losgehen kann, da sie diese Wörter auch dann vorschlagen oder gar automatisch ersetzen, wenn sie nicht in den Zusammenhang passen.

Das größte Problem scheint die Mehrsprachigkeit zu sein. Unabhängig davon, welche Sprache das Gerät spricht und welche Sprachen du in den Einstellungen für die Tastatur festgelegt hast, bevorzugen sie eine bestimmte Sprache. Der iMac und Swiftkey sind wohl noch am flexibelsten.

Betrachtest du alle Ergebnisse für das iPhone, ist Swiftkey der Sieger. Ähnlich, wenn auch nicht ganz so gut ist TouchPal, eine weitere Swipe-Tastatur, die ich bereits vor einiger Zeit beschrieben habe. Wenn du hauptsächlich Texte in einer Sprache schreibst oder die Sprache jeweils manuell wechselst (Globus anklicken), ist die iOS-Tastatur nicht schlecht. Gboard belegt klar den letzten Platz. Vor allem das Wischen bei Gboard funktioniert nur mit englischen Wörtern.

Obwohl die Entwickler ständig an Verbesserungen arbeiten, darfst du intelligent nicht mit denken gleichsetzen. Denken können Tastaturen und Geräte nach wie vor nicht. Deshalb solltest du deine Texte, wie in alten Zeiten, trotzdem durchlesen und ggfs. manuell korrigieren, bevor du sie abschickst. Es sei denn, du und deine Freunde wollen etwas zu Lachen oder zu Rätseln haben …

In diesem Sinne zitiere ich Googles Gboard: „Maximal fungibility die Kiwifruit gar nighty“

Welche lustigen oder peinlichen Erlebnisse hattest du schon mit deiner Tastatur?

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