Windows | Ist das System wirklich besser als MacOS und Linux?

Öffentliche Verwaltungen setzen offensichtlich wieder vermehrt auf Windows. Ist das Betriebssystem wirklich so viel besser als die Konkurrenz? Wie sieht es mit Sicherheit, Wirtschaftlichkeit und Anwenderfreundlichkeit aus?

Apple Windows Android
Illustration: eb / ebblogs

Windows ist wieder im Kommen

Ende 2017 beschloss die Stadt München die Rückkehr von Linux zu Windows. Nun hat auch das Land Niedersachsen angekündigt, das Betriebssystem auf ca. 13 000 Rechner umzustellen. Für Microsoft sicher ein Grund zur Freude. Sind die Punkte, die für Windows sprechen, so überzeugend, dass andere Systeme keine Chance mehr haben?

Die Betriebssysteme

1981 begann Microsoft mit der Entwicklung eines eigenen Betriebssystems, dass 1985 den Namen Windows (Fenster) erhielt. Wirklich populär wurde das System aber erst ab Windows 95 und 2000. Das System von Microsoft läuft nicht nur auf eigenen Geräten. Viele unterschiedliche PC- und Laptop-Hersteller installieren das Betriebssystem auf ihren Geräten. Zunächst war die (Basis-) Version kostenlos. Inzwischen muss der Nutzer sie kaufen bzw. abonnieren. Die aktuelle Version ist Windows 10.

Apple experimentierte seit Mitte der 80-er Jahre mit verschiedenen Varianten eines eigenen Betriebssystems, aus denen 2000 MacOS X hervorging. Im Gegensatz zu Microsoft entwickelt(e) Apple jedoch sowohl die Hardware als auch die Software. Bis heute läuft MacOS nur auf Geräten von Apple. Die aktuelle Version ist MacOS X High Sierra.

Linux ist ein modular aufgebautes Betriebssystem und quell-offen. Genau genommen gibt es nicht das Linux-Betriebssystem, sondern viele unterschiedliche Distributionen auf Basis des Linux-Kernels. Dabei handelt es sich um Pakete mit aufeinander abgestimmter Software. Der Nutzer installiert also das Paket, das für seine Aufgaben am geeignetsten ist.

Im Juni hatte das Betriebssystem von Microsoft weltweit einen Marktanteil von 88,40 %, MacOS kam auf 8,90 % und Linux liegt mit 2,24 % weit dahinter. Noch weiter abgeschlagen ist Chrome OS von Google mit 0,32 %. Quelle: Net Marketshare

Der Kostenfaktor

Gerade im öffentlichen Dienst spielen die Kosten eine wesentliche Rolle. Entsprechend lautet ein Argument, Windows sei kostengünstiger als beispielsweise Apple. Doch allein die Umstellung von Linux auf Windows kostet beispielsweise die Stadt München fast 90 Millionen Euro (Quelle: Der neue Kämmerer). Dabei handelt es sich allerdings um einmalige Ausgaben. Da Unternehmen und der öffentliche Dienst eigentlich die Wirtschaftlichkeit über mehrere Jahre bedenken müssen, ist die Frage, ob Windows wenigstens langfristig günstiger als Linux oder MacOS ist.

IBM hat 2016 vorgerechnet, dass Apple PCs betriebswirtschaftlich gesehen eindeutig die günstigere Variante sind. Allein die Anschaffungskosten für die reine Hardware (PCs / Laptops) sprächen für Windows. Anschließend wird es jedoch teurer.

Während der gesamten Nutzungszeit entstehen bei Windows zusätzliche Kosten für

• Programme / Vollversionen (viele davon sind in MacOS kostenlos integriert)
• System-Updates bzw. Upgrades, die bei Windows nicht immer kostenlos sind
• Wartung, die bei Windows aufwändiger ist › mehr Personal in den IT-Abteilungen
• reparaturanfälligere und kurzlebigere Geräte
• den Support › nur 5 % der Mac-Nutzer benötigen Hilfe, jedoch 40 % der Windows-Nutzer
• die Lösung von Problemen vor allem nach Windows-Updates › wertvolle Arbeitszeit geht verloren bzw. steht den Mitarbeitern nicht mehr für ihre eigentlichen Aufgaben zur Verfügung.

Quelle: MAC LIFE

Zum einen dürften die Zusatzkosten über die Zeit gesehen kaum durch die von Microsoft beim Einstieg in die Windows-Welt gewährten Vergünstigungen kompensiert werden. Zum anderen fallen sie bei MacOS gar nicht in dieser Höhe an. Linux dürfte wirtschaftlich gesehen zwischen beiden liegen. Zumindest bedarf es mehr Unterstützung der Nutzer durch Fachleute, die Hardware-bezogenen Kosten gleichen jedoch denen bei Windows.

Sicherheit

Bereits in den Anfangsjahren hat Microsoft die Sicherheit seines Systems recht stiefmütterlich behandelt. Das hat sich bis heute nicht gravierend geändert. Doch ist gerade die Sicherheit von zunehmend größerer Bedeutung.

Das Windows-System weist wesentlich mehr Sicherheitslücken auf und ist angreifbarer als MacOS und Linux. Hinzu kommt, dass die monatlichen Sicherheit-Updates von Microsoft nicht selten Funktions- oder Performance-Probleme (s. o.) verursachen. Außerdem ist der Windows Defender als einziger Schutz nicht ausreichend. Es muss also zusätzlich in teure Sicherheits-Software investiert werden – wiederum ein Kostenfaktor.

Bei MacOS ist die Installation eines Sicherheits-Pakets nicht unbedingt notwendig. In den meisten Fällen bietet die bereits vorinstallierte Software, die sehr zuverlässig arbeitet, einen ausreichenden Schutz. Nur wenige Nutzer arbeiten mit so hoch sensiblen Daten, dass eventuell eine erweiterte Sicherheits-Suite erforderlich ist.

Momentan kann Linux immer noch als das sicherste System angesehen werden.

Anwenderfreundlichkeit

Entgegen der allgemein verbreiteten Meinung schneidet Windows hier nicht am besten ab. Einerseits ist das System out-of-the-box überladen mit zahlreichen Anwendungen, die die meisten niemals nutzen. Andererseits fehlen in der Basis-Version bei einigen Programmen wichtige Elemente (z. B. bei Outlook), die es wiederum nur gegen Aufpreis gibt.

MacOS kennt keine halben Sachen. Alle installierten Programme sind Vollversionen, auch die kostenlosen. Bei Linux installierst du das Paket und die Programme, die du tatsächlich brauchst.

Hinsichtlich der Bedienung liegt MacOS vorne. Alle Bedienelemente folgen demselben zentralen „Grund-System“, unabhängig davon um welches Programm es sich handelt. Bei Windows ist das wesentlich uneinheitlicher. Je nach Programm sind die einzelnen Bedienelemente auf unterschiedlichen Wegen zu erreichen. Nicht immer ist dahinter ein Logik zu erkennen. Am meisten Eingewöhnungszeit und Hilfestellung verlangt die Arbeit mit Linux.

Kompatibilität

Windows kann nur Windows. Mit gewissen Einschränkungen ist noch eine Kommunikation mit Android möglich, mit MacOS jedoch nicht. Und das liegt nicht an Apple, sondern an Microsoft.

So kannst du auf einem Mac Dokumente ohne Zusatzprogramme Windows-kompatibel erstellen. Umgekehrt kannst du auch Windows-Dokumente problemlos auf dem Mac lesen und bearbeiten. Im Zweifelsfall könntest du sogar Office auf dem Mac installieren.

Ein Windows-PC öffnet jedoch keine Dokumente, die z. B. mit Libre Office (oft verwendet mit Linux-System) oder einem reinen Text Editor erstellt wurden. Allerdings ist es möglich, spezielle Programme hierfür auf dem Rechner zu installieren. Apple Dateien verweigert sich Microsoft jedoch ganz.

Was spricht da noch für Windows?

Von den sogenannten Durchschnittsnutzern und vielen Mitarbeitern der Unternehmen kommen folgende Argumente:

• Mit Windows habe ich immer schon gearbeitet
• Zu Hause habe ich auch einen Windows-PC oder Laptop
• Das System nutzen doch alle, keiner verwendet etwas anderes

Von besonderer Sachkenntnis und fachlicher Kompetenz zeugen diese Aussagen wohl kaum.
Dennoch geben offensichtlich nicht wenige Entscheidungsträger in Unternehmen und im öffentlichen Dienst dem Druck von unten nach. Mitbestimmung der Mitarbeiter in allen Ehren, aber sollen diese laienhaften Meinungsäußerungen wirklich darüber entscheiden, auf welches Betriebssystem ein Unternehmen oder eine Verwaltung baut? Microsoft ist da der lachende Dritte, der durch anfängliche Subventionierung sein System auch dem letzten Zweifler noch schmackhaft macht.

Fazit

Es hat einen Grund, warum selbst in Windows-dominierten Unternehmen Mitarbeiter, die komplexere Aufgaben erledigen müssen mit MacOS oder Linux arbeiten. Beide Systeme sind sicherer, zuverlässiger und schneller. Wobei MacOS intuitiver bedienbar und Linux besser anpassbar ist.

Abschließend soll ein Aspekt nicht vergessen werden. Eine demokratisch getroffenen Entscheidung für Windows führt in eine Diktatur und in die totale Abhängigkeit von einem US-amerikanischen Konzern – Microsoft. Allein Microsoft bestimmt was geht und was nicht geht. Den wenigen Vorteilen des Systems stehen eine Menge Nachteile gegenüber.

Nicht zuletzt hört auch die Datensicherheit an der europäischen Grenze auf, selbst wenn die Server in Zukunft auch in Deutschland stehen werden. Denn Microsoft ist und bleibt ein US-Unternehmen und die Regierung kann den Zugriff auf alle bei Microsoft gespeicherten Daten verlangen. Und das unabhängig davon, wo die Server stehen und ob es sich um die europäischer oder amerikanischer Kunden handelt.

Zugegebenermaßen hat auch Apple ein Imperium aufgebaut und hat seinen Sitz in den USA. Dennoch wage ich zu behaupten, dass sich in diesem Fall die Vor- und Nachteile eher die Waage halten.

Auf den Punkt gebracht: Microsoft strebt die Weltherrschaft an, koste es was es wolle. Apple möchte auch verdienen, verliert dabei aber die Bedürfnisse und Zufriedenheit seiner Kunden nicht völlig aus den Augen.

Und Linux? Ich fürchte, es wird eine Randerscheinung bleiben. Für viele ist die Arbeit mit diesem System im Alltag eben doch noch zu kompliziert

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