Musik-Streaming-Dienste | Sind alle gleich gut?

Musik-Streaming-Dienste sind beliebt, auch wenn der Markt hart umkämpft ist. Kleinere Dienste können oft nicht mehr mithalten, beispielsweise gab Simfy 2015 auf. In meinem Artikel habe ich mich auf die bekanntesten und, bezogen auf Deutschland, verbreitetsten Musik Streaming Dienste (Spotify, Apple Music, Deezer, Google Play Music, Napster und Amazon Music) beschränkt.

Musik

Musik-Streaming-Dienste – Nutzer und Titelanzahl (2015/2016)

Ausgehend von der Zahl der Abonnenten beherrscht Spotify mit 53 Millionen Abonnenten klar den Markt. Inzwischen hat sich aber bei Apple die Zahl der zahlenden Abonnenten auf 28,2 Millionen erhöht. Platz 3 hat inzwischen Amazon Prime Music mit 16 Millionen aktiven Nutzern erobert. Für Google Play Music liegen keine Nutzerzahlen vor. Die anderen Musik-Streaming-Dienste liegen weit darunter.
Stand Juni 2017: Music Industry Blog
Hinsichtlich der verfügbaren Titel, teilen sich Spotify, Deezer, Napster und Amazon mit je ca. 40 Mio. Titeln den ersten Platz. Apple und Google Play Music liegen mit ca. 30 Mio. dahinter.

Die Angebote im Einzelnen

Spotify

Nach Einzel-Titeln, Alben und Interpreten suchen oder entdecken sowie

Playlisten erstellen und ergänzen (incl. Vorschläge passender Musik durch Spotify)
Playlisten anderer hören
Aktuelle nationalen und internationalen Top 50
Musik nach Kategorie / Laune vorschlagen lassen
eine an der zuvor gehörten Musik orientierte ‚persönliche‘ Playlist
Podcasts
Konzerte
Hörbücher
Radio-Sender erstellen bzw. die anderer suchen und hören
Soziales Netzwerk (Künstlern / anderen Nutzern folgen …)
Musik teilen

Spotify free: Werbeunterbrechungen und außer Shuffle-Play keine Zusatz-Funktionen, schlechtere Sound-Qualität.

Spotify Premium: keine Werbung, Shuffle-Play, Titel uneingeschränkt überspringen, jeden Titel sofort abspielen (Länge der Pause zwischen einzelnen Songs verringern/’überblenden‘), hervorragende Qualität, offline.

Apple Music

Einzel-Titel, Alben und Interpreten suchen sowie

Playlisten erstellen
Musik nach Kategorie / Laune vorschlagen lassen
Musikvideos, Konzertfilme und Live-Shows ansehen
Radio-Sendung von Künstlern / DJs anhören
Songtexte
Musik per iMessage teilen

Apple bietet keine Gratis-Version an; du kannst aber die Voll-Version drei Monate kostenlos testen.

Deine Musik wird in der iCloud gespeichert und kann auf allen Geräten on- und offline gehört werden.

Deezer

Musik suchen und Playlisten erstellen
MP3s importieren
Flow: Angeben welche Musikrichtung gefällt und Deezer wählt entsprechende Titel aus
Künstlern folgen
Songtexte

Deezer Gratis-Version: Werbung, unbegrenzte Musik auf dem PC und Tablet, aber nur Flow & Mix auf dem Handy, Standard-Qualität.

Premium: keine Werbung, unbegrenzte Musik auf dem PC, Tablet und Handy, hohe Qualität, offline; 30 Tage gratis testen.

Google Play Music

Eigene Playlisten erstellen, unbegrenztes Überspringen von Titeln, Radio ohne Werbung, offline hören ist möglich.

Google bietet eine Gratis-Version mit Werbung an.

Napster

Lieblingsmusik suchen, abspielen und über soziale Medien teilen
wöchentliche Neuerscheinungen
vorgefertigte Playlisten
Empfehlungen von Napster
Hörbücher

Keine Gratis-Version; Voll-Version kannst du bei Napster 30 Tage testen: ohne Werbung, offline.

Amazon (Prime) Music Unlimited

Songs und Alben entdecken
Playlisten
Radio
Genres
Songs durch ‚gefällt mir‘ bewerten / ‚gefällt mir nicht‘ aus der Radio-Liste entfernen
Empfehlungen
(Musik-Downloads)

Amazon Music Unlimited ist nicht mehr an eine Amazon Prime Mitgliedschaft gebunden: ohne Werbung, offline

Update zu Amazon Prime vom 30.08.2017: Neue Preisstruktur

Amazon Music Unlimited kostet jetzt 7,99 €/Monat bzw. 79,00 €/Jahr für Prime-Mitglieder und 9,99 €/Monat ohne Prime-Mitgliedschaft. Familien mit bis zu 6 Mitgliedern zahlen 14,99 €/Monat bzw. 149,00 €/Jahr.
Für Studenten kostet das Streamen 4,99 €/Monat.
Zusätzlich gibt es für 3,99 €/Monat/1 Gerät noch Amazon Music Unlimited für Echo/Echo Dot und Prime-Mitglieder können auch weiterhin Prime Music mit jedoch nur ca. 2 Millionen Titeln kostenlos nutzen.

Direkter Vergleich der einzelnen Musik-Streaming-Dienste

Die wichtigsten Daten und Kosten sowie die Kooperation einiger Musik-Streaming- Dienste mit Mobilfunkanbietern beziehen sich auf den Stand November 2016. Gerade die Mobilfunk-Anbieter können ihr Angebot jederzeit ändern oder nur an bestimmte Vertragsarten koppeln. Deshalb sind die Angaben ohne Gewähr.

. . . Musik Streaming Dienste - Tab 1 170411Musik-Streaming-Dienste Tab 2 170411

* Welche Einschränkungen im Einzelnen für die Gratis-Versionen gelten, sind im vorherigen Absatz beschrieben.Anmeldung und Kündigung
Zuerst musst du bei allen Diensten ein eigenes Konto angelegen. Das gilt nicht nur für kostenpflichtige Abos, sondern auch für die kostenlosen und Test-Versionen. Wenn du ein Abonnement abschließt, zahlst du jeweils für einen Monat (Ausnahme: Amazon Prime Music, siehe unten). Infolgedessen ist das Abo monatlich kündbar bzw. verlängert sich ohne Kündigung jeweils automatisch um einen weiteren Monat.

Sobald du einen Musik Streaming Dienst abonniert hast, kannst du deine Musik auch offline hören. Und genau bei deine Musik ist der Haken. Um sie Offline zu hören, lädst du die Titel zwar herunter, sie gehören dir aber nicht. Die Songs werden ausschließlich auf dem Gerät gespeichert, mit dem du sie heruntergeladen hast. Später können sie dann auch nur auf diesem Gerät offline gehört werden.
Zwar synchronisieren deine Titel auf allen Geräten, auf denen der Dienst installiert ist, aber du kannst sie dort dann nur online abrufen. Um sie auch dort offline zu hören, musst du sie auf dem zweiten … Gerät nochmals speichern.

Nachdem du dein Abo gekündigt bzw. dein Konto aufgelöst hast, verschwinden nicht nur deine Playlisten, Alben etc. Auch die auf Geräten ‚gespeicherte Musik‘ steht nicht mehr zur Verfügung. Aufgrund der Verknüpfung von Apple Music und iTunes gilt dies bei diesem Dienst nicht für tatsächlich gekaufte Titel/Alben. Sie sind über iTunes weiterhin verfügbar.

Musik-Streaming-Dienste und Datenschutz

Voraussetzung für die Nutzung ist bei allen Diensten die Anmeldung mit einer gültigen Mail-Adresse. Außerdem wirst du für den Abschluss eines Abos nach deinen Kreditkarten-Daten bzw. einer Bankverbindung gefragt. Da die Musik-Streaming-Dienste meistens auch eine Teilen-Funktion oder ein soziales Netzwerk anbieten, erstellst du ein eigenes Profil. Welche Daten du dort öffentlich machen willst, bleibt natürlich dir überlassen.

Des weiteren werden deine Hörgewohnheiten erfasst. Ohne das wären keine Empfehlungen möglich. Wie bei anderen Netzwerken auch, ist es schwierig genau zu erfahren, was mit den Daten passiert und wo sie landen. Denn kein Anbieter gibt gerne alle seine Geheimnisse Preis. Infolgedessen muss jeder für sich selbst entscheiden, welchen der Dienste er/sie für am vertrauenswürdigsten hält. Oder eben ganz konservativ weiterhin CDs kaufen und zu Hause auf der eigenen Anlage hören.

Streaming und Datenvolumen

Entgegen früherer Angebote gibt es kein freies Datenvolumen für Musik-Streaming- Dienste mehr. Das bedeutet, dass die durch das Musik Streaming verbrauchten mobilen Daten in vollem Umfang auf das gebuchte Volumen angerechnet werden.

Am 30. August 2016 veröffentlichte die Telekom-Regulierungsbehörde Berec in Brüssel die überarbeitete Leitlinie für Internet-Anbieter in der EU. Unter anderem wurde die Sonderreglung für Zero-Rating-Angebote präzisiert. Betroffen sind z. B. auch Musik-Streaming-Dienste, deren Datenverbrauch bei manchen Mobilfunk-Anbietern nicht auf das gebuchte Daten-Volumen angerechnet wurde. Quelle: Computer Base

Die Telekom hat eine Erweiterung der Tarife für Privatkunden – StreamON eingeführt. Dabei haben die Kunden seit Ende April 2017 Zugriff auf bestimmte Streaming-Dienste, ohne dass die Nutzung auf das gebuchte Datenvolumen angerechnet wird. Natürlich ist auch dieser Plan wieder sehr umstritten.

Fazit

Einerseits liefert Spotify nach wie vor das beste All-Round-Paket. Aber Apple holt deutlich auf und könnte sich zu einem ernsthaften Konkurrenten entwickeln. Andererseits wären für Musikliebhaber, die sich (fast) ausschließlich im Apple- oder Google-Imperium bewegen, Apple Music bzw. Google Play Music sicherlich naheliegende Alternativen. Vielleicht trifft ähnliches für Amazon Prime Music zu. Jedoch ist dieser Dienst noch enger in die Welt von Amazon eingebunden, als dies bei Apple und Google der Fall ist.

Darüber hinaus hat sich bei Deezer in den letzten Monaten einiges getan und es ist in punkto Musik-Angebot mit Sicherheit vorne dabei. Aufgrund des zu begrenzten Angebots sehe ich Amazon Prime Music noch nicht als ernsthafte Konkurrenz.

Abschließend noch ein Satz zur Frage Abo oder nicht. Spotify, Deezer und Google bieten eine Gratis-Version an. Dies ist nicht schlecht, um zu testen, ob das Angebot und die Nutzerfreundlichkeit deinen Bedürfnissen entspricht. Jedoch lassen die Funktions-Einschränkungen und die Werbeunterbrechungen auf Dauer keinen wahren Hör-Genuss aufkommen. Auch im Hinblick auf eine ‚halbwegs‘ faire Bezahlung der Künstler, rate ich dazu, sich dann doch für ein Abo zu entscheiden. Außerdem handelt es sich außer bei Amazon nur um jeweils einen Monat. Also kannst du schnell und unkompliziert wieder aussteigen.

Welcher Musik-Streaming-Dienst ist dein Favorit?

3 Gedanken zu “Musik-Streaming-Dienste | Sind alle gleich gut?”

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