Werbung auf Webseiten | Wann ist sie notwendig, wann störend?

Werbung auf Webseiten ist heutzutage der Normalfall. Manchmal ist sie relativ unauffällig, manchmal äußerst aggressiv und störend. Zumindest subjektiv betrachtet nimmt sie zu. Ist das wirklich so und warum schalten Webseiten überhaupt Werbeanzeigen?

Werbung auf Webseiten

Werbung auf Webseiten

Normalerweise besuchst du eine Webseite, weil du dich entweder für ein bestimmtes Produkt oder ein Thema interessierst. Auf Werbeanzeigen könntest du wahrscheinlich verzichten. Dennoch findest du sie überall.

Abgesehen von Online-Shops, bieten viele Online-Dienstleister keine oder nur wenige Produkte im engeren Sinne an. Sie betreiben Content Marketing, das heißt sie verkaufen Inhalte, indem sie Texte veröffentlichen. Deren Aufgabe ist es Leser zu informieren, ihnen Hilfestellung bei Problemen anzubieten, Fragen zu beantworten oder sie auch einfach nur zu unterhalten. Das Spektrum reicht dabei von kleinen Blogs bis hin zu sozialen Netzwerken wie Facebook. Sie alle verbindet, dass die Nutzung des Angebots kostenlos ist. Das bedeutet, dass selbst eine große Anzahl an Besuchern dem Webseiten-Betreiber nicht zu einem Einkommen verhilft.

Dennoch entstehen allein durch das Online stellen und unterhalten einer Webseite Kosten. Darüber hinaus wollen oder müssen die Inhaber, Autoren, Grafiker, Programmierer etc. i. d. R. von ihrer Arbeit leben.

Formen der Online-Werbung

Egal ob Blog oder Internet-Auftritt großer Unternehmen, bei fast allen siehst du Werbung (Ads). Bei einigen sind es nur wenige, kleine Anzeigen, bei anderen hat es den Anschein, dass die Seite fast nur aus Werbung besteht (siehe Abbildung einer aktuellen Webseite). Letzteres wirkt an sich schon recht störend. Darüber hinaus hängt der Grad der Beeinträchtigung des Surf-Vergnügens aber auch davon ab, wie die Werbung präsentiert wird.

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Affiliate Links

Die wohl unauffälligste Möglichkeit, Werbung in eine Webseite einzubinden, sind Affiliate Links (Partnerprogramme). Einer der größten Anbieter eines solchen Programms ist Amazon. Wenn du z. B. einen Link zu einem Amazon-Produkt in deinen Text einbaust, enthält dieser einen Code, der dich bei Amazon als Partner identifiziert. Klicken deine Leser diesen Link an und kaufen vielleicht sogar das Produkt, erhältst du eine Provision von Amazon.

Nach EU-Recht müssen Affiliate Links klar gekennzeichnet sein. Dies erreichst du, indem du sie besonders markierst und dadurch von anderen internen und externen Links unterscheidbar machst. Sollte das nicht möglich sein, musst du spätestens am Ende deines Artikels deutlich darauf hinweisen, dass Affiliate Links enthalten sind.

Werbeanzeigen

Die verbreitetste Form von Werbung auf Webseiten sind Banner, welche sich oberhalb / unterhalb des Textes und / oder in der Seitenleiste befinden. Die Anzeigen können statisch, animiert oder interaktiv sein. Zunächst besteht die Chance, dass deine Besucher die Anzeigen sehen und u. U. auch anklicken. Das gilt für die Seitenleiste nur eingeschränkt, da beim Responsive Design die Inhalte der Seitenleiste auf mobilen Geräten erst unterhalb des eigentlichen Seiteninhalts erscheinen. Somit verschwindet auch die Werbung aus dem Blickfeld der Besucher. Einerseits ist der Störfaktor bei solchen Anzeigen relativ gering. Andererseits setzt ein gewisser Gewöhnungseffekt ein, sodass die Banner u. U. nicht mehr bewusst wahrgenommen werden.

Etwas problematischer sind Ads innerhalb des Fließtexts. Manchmal sind sie so geschickt integriert, dass auf den ersten Blick nicht ganz klar ist, ob z. B. die Abbildung zum Beitrag gehört oder ob es sich um eine Werbeanzeige handelt. Insbesondere auf diese Weise integrierte Videos verleiten oft zum Anklicken, in der Annahme, es handele sich um eine visuelle Ergänzung des Beitrags. Falls die Videos auch noch automatisch starten (Auto-Play), beeinträchtigt der Ton die Konzentration auf den Inhalt des eigentlichen Text-Beitrags ziemlich.

Pop-Ups – Pop-Unders

Darunter sind Werbeeinblendungen zu verstehen, die sich von selbst in einem eigenen Fenster öffnen. Normalerweise erscheinen sie erst, wenn du weiter scrollst oder am Ende des Artikels angekommen bist.

Zum einen überlagern diese Fenster den Text und stören allein deshalb schon erheblich. Zum anderen schließen sie sich normalerweise nicht automatisch. Entweder musst du ein x in der rechten oberen Ecke oder eine Schaltfläche unterhalb des Werbetextes anklicken, um den eigentlichen Artikel weiterlesen zu können. Allerdings sind die Schaltflächen häufig extrem klein und unauffällig. Dadurch bist du quasi gezwungen, der Werbeanzeige einige Aufmerksamkeit zu widmen. Zusätzlich passiert es auch leicht, dass du versehentlich doch die Anzeige anklickst.

Dauerhafte Einblendungen

Sogenannte Sticky Ads erscheinen sofort, wenn du eine Webseite öffnest. In der Regel sind sie am unteren Rand der Seite verankert und verschwinden auch während des Scrollens nicht. Je nach Größe wirken sie ausgesprochen störend.

Prestitial und Interstitial Ads

Diese beiden Formen der Werbung auf Webseiten sind extrem lästig. Bereits direkt nach dem Aufrufen einer Webseite (Prestitials) oder während des Lesens (Interstitials) schieben sich die Werbeanzeigen über den Text und bedecken nicht selten den gesamten Inhalt. Es kann sich dabei um Layer (Ebenen) oder Hover-Ads (schwebende Werbung) handeln. Gemeinsam haben beide, dass sie nicht in einem eigenen Fenster erscheinen. In der Regel kannst du sie also auch nicht schließen. Entweder verschwinden sie, wenn du weiter scrollst oder nach einer vorprogrammierten Zeitdauer (Countdown).

Werbung auf mobilen Geräten

Zu den oben genannten kommen auf Smartphones noch zwei spezielle Arten von Werbeeinblendungen hinzu. Beide bedecken den gesamten Bildschirm. Bei Fullscreen Scrollover Ads musst du erst durch die gesamte Werbeanzeige scrollen, bevor du den eigentlichen Inhalt der Webseite siehst. Bildschirmfüllende Postitial Ads erscheinen, wenn du auf einer Webseite zu einem anderen Beitrag wechselst oder einen Link anklickst.

Alternativen zur Werbung

Theoretisch gibt es zwei Wege auch ohne Werbung mit deinem Service Geld zu verdienen. Erstens könntest du kostenpflichtige e-Books, Webinare oder persönliche Beratung anbieten. Die Einnahmen daraus dürften aber in vielen Fällen kaum die Kosten decken.

Zweitens gibt es die Möglichkeit, den Zugriff auf die (vollständigen) Inhalte deiner Seite nur Abonnenten zu gestatten, die entweder pro Artikel oder für einen bestimmten Zeitraum bezahlen müssen. Dieses Finanzierungsmodell ist vor allem bei Nachrichten-Portalen sehr verbreitet. Nicht selten findest du auch auf diesen Seiten trotzdem Werbung. Da viele Besucher für allgemein zugängliche Serviceleistungen nichts zahlen wollen, eignet sich diese Methode für kleinere Webseiten mit wenigen Stammlesern eher weniger.

Fazit

Aus Sicht der meisten Besucher ist Werbung auf Webseiten nervig, insbesondere wenn sie überhand nimmt. Für die Webseiten-Betreiber ist sie aber normalerweise ein notwendiges Übel. Besonders problematisch und nicht unbedingt erforderlich sind die aggressiven Werbeeinblendungen wie Pop-Ups, dauerhafte, den Text überlagernde bzw. bildschirmfüllende Ads sowie Auto-Play-Videos. Diesen Formen hat Google mit seiner Coalition for Better Ads (Koalition für bessere Werbung) den Kampf angesagt. Ob es etwas nützt, wird die Zukunft zeigen.

Grundsätzlich ist Werbung auf Webseiten ein zweischneidiges Schwert. Einerseits erzielt der Betreiber ohne Werbung keine oder nur geringe Einnahmen. Andererseits vergrault er mit zu viel / zu aggressiver Werbung vielleicht den einen oder anderen potentiellen Kunden. Die Ursache dieses Dilemmas ist die Tatsache, dass viel zu wenige Besucher bereit sind, für einen (werbefreien) Online-Service zu zahlen.

Wirklich zu verstehen ist das nicht. Denn um halbwegs konkurrenzfähig zu bleiben, müssen Webseiten professionell gestaltet sein, wertvolle Inhalte anbieten und kontinuierlich aktualisiert werden. Das ist kaum nebenbei als Hobby zu schaffen, sondern es ist ein Vollzeit-Job. Nicht zuletzt deshalb wundere ich mich, mit welcher Selbstverständlichkeit die meisten Nutzer davon ausgehen, dass Online-Service gratis zu sein hat. Ich glaube kaum, dass dieselben Nutzer selbst dauerhaft gute Leistung ohne Bezahlung erbringen wollen oder würden?

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