WhatsApp und Facebook wachsen zusammen

WhatsApp kam eigentlich nie so richtig aus den Schlagzeilen. Die Kritik wird auch nicht aufhören, wenn WhatsApp und Facebook weiter zusammenwachsen. Denn Facebook hat den Dienst wohl nicht ohne Hintergedanken gekauft. Geht es Facebook also um die Daten von Millionen neuen Nutzern?

WhatsApp und Facebook

WhatsApp und Facebook – Aufstieg und Verkauf

Nachdem Jan Koum lange auf der Eigenständigkeit seines Unternehmens beharrt hatte, verkaufte er es schließlich am 18.02.2014 an Facebook. Die Verknüpfung von WhatsApp und Facebook hatte begonnen.

WhatsApp wurde 2009 von Jan Koum und Brian Acton gegründet. Jan Koums Idee war, einen Messenger zu entwickeln, der so simpel sei, dass ihn jeder auch ohne Computerkenntnisse bedienen könne. Außerdem solle er ohne Werbung, Spiele oder sonstigen Schnickschnack sein.
Der Anfang waren Push-Benachrichtigungen auf Apple-Geräten. Diese ermöglichten die sofortige Information über jede Statusänderung der eigenen Kontakte. Schnell kamen neue Funktionen hinzu: Gruppen anlegen, Fotos ohne Zusatzkosten und Voicemails versenden sowie telefonieren. Der Messenger funktioniert auch auf einfachen und älteren mobilen Geräten sowie über viele Browser. Die Nutzung über WLAN kam vor allem Nutzern ohne Flatrate für Telefonie/SMS sehr entgegen.

Das Unternehmen hatte nur 55 Mitarbeiter und finanzierte sich über ein App-Abo ab dem zweiten Nutzungs-Jahr. Für jedes (weitere) Jahr mussten jeweils 0,99 € gezahlt werden.

Anfang 2014, nach nur 5 Jahren, hatte WA bereits 450 Millionen aktive Nutzer. Allein in Deutschland nutzten 30 Millionen den Dienst. Weltweit kamen täglich etwa 1 Million Nutzer hinzu.

Am 19.02.2014 versprach WhatsApp seinen Nutzern:

…, dass sich nach der Übernahme durch Facebook für sie nichts ändern wird. Der Dienst werde nach wie vor für eine kleine Gebühr nutzbar sein, und keine Werbung werde die Kommunikation unterbrechen. „WhatsApp wird autonom bleiben und unabhängig agieren“, hieß es. „Für Sie, unsere Nutzer, wird sich Folgendes ändern: nichts.“ Auch Zuckerberg versicherte, das WhatsApp-Team werde seine Unabhängigkeit behalten.
Wie sich der hohe Kaufpreis letztlich rechnen soll, ließ Zuckerberg offen. Zunächst einmal gehe es darum, dass der Dienst weiter wachse auf „eins, zwei oder drei Milliarden Mitglieder“, sagte Zuckerberg. „Es gibt es mehrere Wege, wie wir damit Geld verdienen können.“ Werbung zähle in seinen Augen nicht dazu. Facebook-kauft-WhatsApp-fuer-19-Milliarden-Dollar

Und einen Tag später schrieb WhatsApp-Mitbegründer Jan Koum in einem Blog:

Vor fast fünf Jahren begannen wir WhatsApp mit einer einfachen Mission: ein cooles, weltweit von allen genutztes Produkt zu schaffen. Nichts anderes war uns wichtig. Die Partnerschaft mit Facebook werde ihnen erlauben, mit dieser Mission weiterzumachen. ORF – WhatsApp wird autonom bleiben

Also WhatsApp und Facebook – getrennt vereint?

Ein Jahr später, am 19.02.2015 wurde etwas deutlicher in welche Richtung es wohl gehen wird:

Und die Daten? Bislang gilt das Versprechen, die Daten der beiden Dienste nicht zusammenzuführen. Noch im Januar wiederholte ein Facebook-Manager:

Wir haben keine Pläne, die beiden Dienste zusammenzuführen.

Ende Januar aktualisierte Facebook seine Datenschutzrichtlinien. Das Versprechen, dass die Daten der beiden Dienste getrennt bleiben, findet sich in dem Dokument nicht. Grundsätzlich schreibt Facebook dort nur, dass Daten zwischen verschiedenen Angeboten aus dem Hause Facebook fließen könnten. Quelle: Tagesschau-WhatsApp und Facebook wachsen zusammen.

Überraschend wäre gewesen, wenn Facebook sich nicht alle Möglichkeiten offen gelassen hätte. Als Vorstandsvorsitzender eines börsennotiertes Wirtschaftsunternehmens würde Mark Zuckerberg kaum 19 Milliarden US-Dollar für ein Produkt zahlen, dass keinen Nutzen oder zusätzlichen Gewinn für das eigene Unternehmen verspricht. Also konnte eigentlich schon damals davon ausgegangen werden, dass sich etwas ändern würde. Wenn auch nur in kleinen Schritten – wird aus WhatsApp und Facebook demnächst doch Facebook mit WhatsApp…

Wieder ein Jahr später …

am 11.01.2016 war bzgl. der Frage, wie es mit WhatsApp und Facebook weitergehe, zu lesen:

Die Befürchtung, dass mit der Übernahme durch Facebook im Februar 2014 ein grundlegender Richtungswechsel und eine Abkehr von der nutzerfreundlichen Orientierung erfolgen würden, hat sich bislang nicht bestätigt.
Durch die Zugehörigkeit zu Facebook sei Whatsapp per se suspekt, meinen jedoch die Kritiker und verweisen nicht nur auf bedenkliche Datenschutzbestimmungen, sondern auch darauf, dass man sein Telefonbuch zu Whatsapp hochladen müsse. Aber für die Freunde der App hat sich nicht viel geändert: Die pauschale Nutzungsgebühr von weniger als einem Euro im Jahr bleibt geradezu lächerlich gering. Fotos und Multimediales gehören mittlerweile auch dazu. FAZ – Fakten, Hintergründe und Zukunftspläne von WhatsApp

Doch schon am 18.01.2016 folgte der nächste kleine Schritt. Auf der Internet-Konferenz DLD in München sagte Jan Koum:

Wir werden die jährliche Gebühr einstellen und statt dessen ein neues Geschäftsmodell etablieren. Dabei ginge es vor allem um die Kommunikation zwischen Unternehmen und Kunden. Quelle: Tagesschau – WhatsApp kostenlos

Einfluss von Facebook

Schön für die Nutzer, aber irgendwoher muss das Geld trotzdem kommen – Vermarktung durch Facebook? Und wie sollte die erwähnte Kommunikation funktionieren – wohl doch nur mittels Datenabgleich bzw. -austausch mit Facebook? War eine Verknüpfung von WhatsApp und Facebook nicht zunächst ausgeschlossen worden?
Am 24.01.2016 wurde deutlicher, dass die Eigenständigkeit von WA immer mehr aufgeweicht wird:

Unklar ist, ob die Funktion tatsächlich kommt und wie weit die Verknüpfung gehen wird. WhatsApp-Mitbegründer Jan Koum betont zwar immer wieder, dass WhatsApp eigenständig bleiben werde, in den Datenschutzrichtlinien heißt es indes schon länger, dass Daten mit Facebook ausgetauscht werden können. HEISE – WhatsApp-Hinweise auf Zusammenführung mit Facebook

Datenaustausch / -abgleich?

Wenn also die Richtlinien schon ‚angepasst‘ wurden, wäre doch ein Narr, wer davon ausginge, dass sich niemand etwas dabei gedacht hätte. Und der nächste Schritt in Richtung Verknüpfung wurde nur 5 Tage später bekannt:

In der aktuellen WhatsApp Beta-Version für Android ist ein Quellcode enthalten, der auf einen Daten-Austausch des populären Messengers mit Facebook hinweist. Dabei sollen wohl Konto-Daten miteinander verknüpft werden, um das „Facebook-Erlebnis zu verbessern“.
Komplett neu ist der Datenaustausch zwischen WhatsApp und Facebook allerdings nicht. Schon seit fast einem Jahr können iOS-Nutzer Facebook-Daten in WhatsApp importieren. Das eigene WhatsApp-Profil wird dabei mit dem eigenen Facebook-Account verknüpft und synchronisiert persönliche Daten. CHIP – WhatsApp von Facebook trennen-So verhindern Sie den Datenaustausch

Warum die Anleitung zur Verhinderung des Datenaustauschs, wenn doch gar keiner vorgenommen wird? Schritt für Schritt tritt ein, was für Insider, trotz Bestreitens seitens WhatsApp und Facebook, eigentlich schon zum Zeitpunkt der Übernahme absehbar war. Natürlich werden WhatsApp und Facebook miteinander verwoben. Nur schön langsam. Es sollen ja keine schlafenden Hunde / Datenschützer geweckt werden.

Und von welchen für Facebook interessanten Datenmengen ist die Rede?

Quellen der Abbildungen: WA vom 26.07.2017 (1) – / – Nutzerzuwachs April 2013 bis Juli 2017 (2)

In einem Blogeintrag schreibt das Facebook-Unternehmen, dass der Messenger zu einem Teil des Lebens vieler Menschen geworden ist:

Seit heute verwenden eine Milliarde Menschen WhatsApp. Das sind fast einer von sieben Menschen auf der Erde, die WhatsApp jeden Monat verwenden, um mit denjenigen, die ihnen wichtig sind, ihren Freunden und ihrer Familie, in Kontakt zu bleiben.

Facebook selbst musste dafür Einbußen hinnehmen. So stieg die tägliche Nutzung von WhatsApp von 49 % (2016) auf 55 % (2017). Die von Facebook sank im gleichen Zeitraum von leicht von 22 % auf 21 %.

April 2016

Anfang April 2016 hat WhatsApp die immer lauter werdenden Kritik erhört. Es führte die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung der gesamten Kommunikation auf allen Plattformen ein. Jedoch muss jeweils die aktuelle Version von WhatsApp installiert sein. Außerdem ist es nun möglich, die tatsächliche Identität des Gesprächspartners zu überprüfen. HEISE: WhatsApp-Verschlüsselung …

Das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Jedoch bleibt immer noch manches sehr vage:

WhatsApp hatte vor wenigen Tagen den Startschuss für die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung gegeben, doch deshalb sind nicht restlos alle Daten unerkennbar verschlüsselt. In der Regel sind für erste Verdachtsmomente auch weniger die Inhalte von Nachrichten interessant, sondern eher die Kommunikationsgewohnten. Wer schreibt wann und mit wem. Genau diese sogenannten Meta-Daten sind auch weiterhin unverschlüsselt. Smartdroid: Verschlüsselung WhatsApp …

Auch eine der bekanntesten IT-Sicherheitsexperten würdigt diesen Schritt, wenn auch mit Einschränkung:

Am 5. April gab WhatsApp die Implementierung einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bekannt. Dieser Schritt wird den Sofortnachrichtendienst voraussichtlich noch beliebter machen und Spionen jeder Couleur (sowie Sicherheitsbehörden) ihre Arbeit erheblich erschweren: die Privatsphäre von über einer Milliarde Nutzern ist damit wesentlich verstärkt worden.

Der letzte, siebte Stern (5. Bewertungskriterium) wurde nicht vergeben, da WhatsApp seinen Quellcode nicht öffentlich zugänglich macht. Open-Source-Software bringt den Vorteil mit sich, dass Internetnutzer ihre Kräfte vereinen und gemeinsam dazu beitragen können, neue Sicherheitsschwachstellen schneller zu finden und die Software noch sicherer zu machen. Facebook, dem WhatsApp zugehört, schließt diese Möglichkeit aus und entscheidet sich stattdessen dafür, in eigener Verantwortung an Sicherheitsaspekten zu arbeiten.

6 Sterne ist die höchste Bewertung für die meisten beliebten Sofortnachrichtendienste. Skype und Yahoo Messenger haben nach wie vor nur 1 Stern. WhatsApps Hauptrivale Viber ist mit 2 Sternen bewertet worden. Unter den verbreiteten Sofortnachrichtendiensten kann es nur der geheime Chat von Telegram (mit 7 von 7 Sternen bewertet) in puncto Sicherheit mit WhatsApp aufnehmen. Kaspersky: WhatsApp Encrytion

Juli 2016

Facebook fängt an, in punkto Verschlüsselung bei seinem Messenger nachzuziehen. Dies aber nur halbherzig und nicht bis zur letzten Konsequenz wie WhatsApp. So sollen nur einzelne Konversationen geheim sein und zunächst nur auf mobilen Geräten. Nach wie vor wird es aber auch unverschlüsselte Nachrichten geben und auch Fotos, Videos … bleiben von geheimen Konversationen ausgeschlossen. Es soll nur möglich sein, diese per Timer nach einer gewissen Zeit automatisch von Gerät zu löschen.
David Marcus, Messenger-Chef, sagte dazu:

Wir wollen zum meistgenutzten Messaging-Dienst werden. Dafür müssen wir wirklich alle Arten von Konversationen zulassen. Handelsblatt

August 2016

Es wurde zunächst vehement bestritten, war aber bereits bei der Übernahme von WhatsApp durch Facebook zu vermuten. Zukünftig werden doch Daten von WhatsApp mit Facebook geteilt und für Werbezwecke etc. ausgewertet. WhatsApp erklärt dazu:

Neue Möglichkeiten, WhatsApp zu verwenden

Wir möchten Möglichkeiten erkunden, wie du und Firmen über WhatsApp miteinander kommunizieren können, wie beispielsweise über Informationen zu Bestellungen, Transaktionen und Terminen, Liefer- und Versandbenachrichtigungen, Aktualisierungen von Produkten und Dienstleistungen und Marketing. So kannst du zum Beispiel Informationen zum Flugstatus für eine bevorstehende Reise, einen Zahlungsbeleg für etwas, das du gekauft hast, oder eine Benachrichtigung bezüglich eines Liefertermins erhalten. Nachrichten, die du erhältst, die Marketing enthalten, könnten Angebote zu etwas enthalten, das dich interessiert. Wir möchten nicht, dass du das Gefühl hast Spam zu erhalten. Wie mit allen deinen Nachrichten kannst du auch diese Kommunikation verwalten und wir werden uns nach deiner Auswahl richten.

Auswahlmöglichkeiten, die du hast.

Wenn du ein bestehender Nutzer bist, kannst du wählen, deine WhatsApp-Account-Informationen nicht mit Facebook zu teilen, um deine Facebook-Werbung und Produkterlebnisse zu verbessern. Bestehende Nutzer, die unseren aktualisierten Nutzungsbedingungen und der Datenschutzrichtlinie zustimmen, haben weitere 30 Tage Zeit, diese Auswahl zu treffen, indem sie zu Einstellungen > Account gehen.

Natürlich wird die Verwertung Ihrer Daten schön geredet und als Mehrwert für WhatsApp- und Facebook-Nutzer dargestellt. Grundsätzlich bleibt Werbung Werbung und am meisten profitiert natürlich Facebook davon und nicht der Nutzer. Außerdem wird (meist zu Recht) davon ausgegangen, dass die meisten die neuen AGBs einfach abhaken. Sie werden sie auch im Nachhinein weder lesen, noch etwas an ihren Einstellungen ändern.

Besonders kritisch ist dabei, dass die Nummern aller gespeicherten Kontakte eines Nutzers bei Facebook landen. Folglich auch die von Kontakten, die selbst WhatsApp gar nicht nutzen.

Wer sich also immer noch nicht von WhatsApp verabschieden möchte, sollte vielleicht diesmal doch genauer hinsehen, wenn der Bildschirm mit den neuen Nutzungsbedingungen erscheint:
Nicht gleich zustimmen, sondern herunter scrollen bis zu Lesen Sie mehr. Dann den Pfeil antippen und den grüner Schalter (unten) deaktivieren, so dass er grau wird. Erst jetzt Zustimmen anklicken.

Oktober 2016

Inzwischen ist die Einspruchsfrist abgelaufen. WhatsApp wurde von Verbraucherschützern Ende August abgemahnt. Das Unternehmen bat um eine Fristverlängerung zur Prüfung der Unterlassungsklage:

Während WhatsApp durch die Verbraucherschützer eine Fristverlängerung gewährt wurde, ermöglichte das Unternehmen seinen Kunden jedoch im Gegenzug keine Verlängerung, um eine Unterzeichnung der neuen Datenschutzbedingungen zu prüfen – was im Zuge der Waffengleichheit durchaus fair gewesen wäre. Doch an dem gesetzten Datum 25. September wurde nichts geändert. (aus dem Tagesspiegel)

Auch der Hamburger Datenschützer untersagte Facebook per Verwaltungsanordnung Daten deutscher WhatsApp-Nutzer zu speichern. Facebook wird das wohl kaum akzeptieren. Der Verbraucherzentrale Bundesverband prüft jetzt eine Klage gegen WhatsApp.

9. November 2016

Nach heftiger Kritik von deutschen und britischen Datenschützern hat Facebook die Weitergabe von Daten und Telefonnummern europäischer WhatsApp-Nutzer vorerst auf Eis gelegt. Facebook erklärte sich diesbezüglich gesprächsbereit.

• Aktualisierungen

Informationen zur weiteren Entwicklung von WhatsApp (und der Beziehung mit/zu Facebook) kannst du in meiner Kategorie News nachlesen.

April 2018

Inzwischen ist es wohl ziemlich klar, dass Facebook zumindest auf iOS-Geräten Daten von WhatsApp auslesen könnte. Dazu gehören Telefonnummern, Namen, Zeitmarkierungen sowie den Inhalt der Nachrichten mitsamt Verweisen auf die Anhänge. Zwar sind deine Daten Ende-zu-Ende verschlüsselt, die lokale Datenbank von WhatsApp liegt aber im Klartext vor. Dies sei notwendig, damit WA Nachrichten verarbeiten könne.

Das Problem dabei ist jedoch, dass Programme einer App-Gruppe auf einen gemeinsamen Ordner zugreifen. Und das trifft zu, wenn du auf deinem Gerät sowohl WhatsApp als auch Facebook installiert hast.

Mark Zuckerberg behauptet weiterhin, dass die Daten bei WhatsApp komplett verschlüsselt seien, was nicht zutrifft. Deshalb bestreitet er, dass er diese Daten überhaupt sehen könne und Facebook sie auch nicht gelesen oder weiterverarbeitet hätte. Eine Ahnung davon, was von solchen Aussagen zu halten ist, vermittelten die sehr ausweichenden Antworten von Mark Zuckerberg bei der Befragung vor dem US-Congress und dem Abgeordnetenhaus.

Mai 2018

Bereits im November 2017 hatte Brian Acton, einer der Mitgründer von WhatsApp, Facebook verlassen. Seitdem kritisiert er offen Facebook. Das gipfelte zuletzt darin, dass er als Folge des Cambridge Analytica-Skandals aktiv die Campagne #Delete Facebook unterstützte.

Jetzt hat auch Jan Koum das Handtuch geworfen. Offiziell begründet er es damit, dass er sich mehr seinen privaten Interessen widmen wolle. Zunehmend kam es in letzter Zeit jedoch zu Konflikten mit Facebook bzgl. Zugriff auf Nutzerdaten, Verschlüsselung und Werbung im Messenger. Deshalb liegt der Verdacht sehr nahe, dass der eigentliche Grund darin liegt, dass er die zunehmende Kommerzialisierung und Öffnung des Messengers nicht mehr mitmachen wollte. (Nachrichten Mai 2018)

4. Mai

Nur wenige Tage nach dem Weggang von Jan Koum bestätigte David Marcus (Feacebook Messenger-Chef), dass Facebook mit WhatsApp endlich Geld verdienen wolle. Am Rande der F8-Entwicklerkonferenz kündigte er an, dass WhatsApp für Werbekunden geöffnet werde. Es ist nur noch nicht ganz klar, wie und wann.

24.Mai

Endlich ist die Katze aus dem Sack. Wie schon lange vermutet, teilt WhatsApp Daten mit anderen Facebook-Unternehmen:

Derzeit teilt WhatsApp nur wenige Informationskategorien mit den Facebook-Unternehmen. Dazu gehören die Telefonnummer, die du bei der Registrierung für WhatsApp verifiziert hast, einige Geräteinformationen (Gerätekennung, Betriebssystemversion, App-Version, Plattforminformation, Ländervorwahl der Mobilnummer, Netzwerkcode sowie Markierungen, die es erlauben, deine Zustimmung zu Aktualisierungen und Steuerungsoptionen nachzuverfolgen) und einige deiner Nutzungsinformationen (wann du WhatsApp zum letzten Mal genutzt hast, wann du deinen Account registriert hast, sowie die Art und Häufigkeit deiner Nutzung von Features). Die Informationen sind in jedem Fall sicher und werden nicht mit Dritten außerhalb der Facebook-Unternehmen geteilt. Die geteilten Informationen sind außerdem nicht für andere Benutzer weiterer Produkte der Facebook-Unternehmen sichtbar. …

Wir teilen Informationen mit den Facebook-Unternehmen (und vertrauenswürdigen Drittanbietern) in ihrer Rolle als Dienstanbieter. Dienstanbieter unterstützen Unternehmen wie WhatsApp durch die Bereitstellung von Infrastruktur, Technologien, Systemen, Tools, Informationen und Fachwissen, damit wir den WhatsApp Dienst für unsere Benutzer bereitstellen und verbessern können.

Mehr dazu findest du unter So arbeiten wir mit den Facebook-Unternehmen zusammen

Wenn du mit dieser Vorgehensweise, die zumindest in Deutschland rechtlich umstritten ist, nicht einverstanden bist, hilft nur WhatsApp zu verlassen und einem anderen Messenger dein Vertrauen zu schenken.

Gibt es bessere alternative Messenger?

Ja, inzwischen gibt es einige. Einer wäre zum Beispiel Telegram, der WhatsApp in punkto Funktionen mindestens ebenbürtig ist. Mehr Informationen findest du in meinem Testbericht über Telegram.

Auch Threema hat zumindest bei der Daten-Verschlüsselung die Nase vorne. Es bietet eine Ende-zu-Ende Verschlüsselung, anonyme Nutzung sowie die Möglichkeit beliebige Dateiformate zu versenden. Jedoch ist es bisher nur auf mobilen Geräten nutzbar und nicht kostenlos. Sowohl die App für Android als auch für iOS kosten einmalig 2,99 €.

Eine dritte Alternative ist Signal. Da ich ihn noch nicht getestet habe, kann ich nichts dazu schreiben. Aber der Messenger wird allgemein ebenfalls sehr gut bewertet.

Fazit

Wenn du dein Privatleben sowieso schon via Facebook in die Welt hinaus schreibst, dürfte dich das Zusammenwachsen von WhatsApp und Facebook nicht weiter interessieren oder gar stören. Diejenigen, die Facebook für eher unpersönliche Zwecke nutzen oder bewusst kein Facebook-Profil haben, landen mit samt ihren Daten über die Hintertür doch im Facebook-Imperium.

Deshalb solltest du die Wahl des Messengers kritisch überdenken. Denn am undurchsichtigen oder fragwürdigen Umgang von WhatsApp und Facebook mit Nutzer-Daten wird sich wohl nicht all zu viel ändern.Auch nicht nachdem in den letzten Monaten eine mehr (WhatsApp) oder weniger (Facebook Messenger) effektive Verschlüsselung eingeführt wurde/wird. Außerdem stelle ich mir immer noch die Frage, wie lange zwei direkte Konkurrenten unter dem Dach von Facebook gleichberechtigt bestehen bleiben werden.

Eigentlich wäre jetzt der Zeitpunkt zum Wechsel des Messengers gekommen, auch wenn alle WA haben. Denn auch von Jan Koums Idee der Einfachheit ist der Messenger inzwischen meilenweit entfernt.

Ich werde wohl jetzt erst Recht kein Freund von WhatsApp werden. Und ich bin nicht alleine, denn die Nutzerzahlen von Telegram und Threema steigen kontinuierlich und beide Anbieter versorgen ihre Messenger regelmäßig mit Updates und neuen Features.

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